ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014MDK: Erfahrungen eines Hausarztes
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für die Kollegin Schellert war ihre Entscheidung, zum MDK zu gehen, sicherlich richtig. Nur deckt sich ihre Meinung über die Auswirkungen der Arbeit des MDK in keiner Weise mit meiner. Erfahrungen aus den letzten drei Wochen eines im ländlichen Raum praktizierenden Hausarztes:

  • Von einem ambulanten Pflegedienst werden zwei Jahre nach dem Tod eines Prostatakarzinom-Patienten Gelder zurückverlangt, da dem „Prüfer“ des MDK angeblich nicht dargestellt werden konnte, dass der alleinstehende Patient dreimal täglich besucht werden musste, um ihn zu versorgen. Ärztliche Bestätigungen und Verordnungen lagen vor, wurden aber zwei Jahre später nicht mehr akzeptiert/berücksichtigt. Eine SAPV gab es noch nicht.
  • Einer Patientin, welche nachgewiesenermaßen seit zwei Jahren enteral Blut verliert, wird die Kapselendoskopie zur Dünndarmdiagnostik inklusive Sozialgericht verwehrt. Mehrfache Kolo- und Gastroskopien, allesamt unauffällig, ein eindeutiger Verlauf des Ferritins (es sei nur das Hb aussagekräftig), die Fachgutachten zweier Gastroenterologen und meine Aussagen werden schlichtweg negiert, und es werden fachlich falsche Aussagen (nur eine durch Eiseninfusionen nicht auszugleichende Anämie sei beweisend) dem Gericht gegenüber gemacht. Ohne die Patientin jemals gesehen zu haben, wird vom „Gutachter“ behauptet, die Müdigkeit und Konzentrationsstörung seien psychosomatisch bedingt.
  • Während meiner Visite im Pflegeheim kommt es zur unangekündigten Überprüfung im Altenpflegeheim, hier durch eine „Pflegefachkraft“ des MDK. In meinem Beisein wird eine Altenpflegerin (nicht Krankenschwester!) „rundgemacht“, wie es auf einem Kasernenhof nicht schlimmer hätte sein können. Grund? Sie wusste nicht, weshalb ein Bewohner einen transurethralen und keinen suprapubischen Harnkatheter hat. Muss diese ärztliche Entscheidung (Z. n. Radiatio der Blase) von einer Altenpflegerin sofort und ad hoc gewusst werden? Und macht hier nicht auch der Ton die Musik? . . .

So leid es mir tut, aber in meiner täglichen Arbeit sind die Auswirkungen des MDK eher „Sandkörner im Getriebe des Gesundheitswesens“ mit potenzieller Patientengefährdung. Vernetzung? Kooperation? Kollegialität? Praktisch nie erlebt. Aber vielleicht ist ja in Köln alles anders – zu hoffen wäre es.

Dr. med. Christoph Graf, 78244 Gottmadingen

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige