ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014MDK: Noch nie am Bett eines Patienten gesehen
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. . . Der (Selbst-)Darstellung der heilen Welt des MDK muss aus subjektiver Sicht eines Klinikarztes doch mit Nachdruck widersprochen werden . . .

Kein vernünftiger Mediziner wird bestreiten, dass es in unserem gewaltig finanzstarken Gesundheitssystem den Missbrauch von Geldern gibt, so dass die Einstellung: „Irgendjemand müsse Grenzen ziehen. Es sei nicht im Interesse der Versicherten, wenn immer alles bezahlt werde“ sympathisch daherkommt. Dazu habe der MDK viele beratende Funktionen und „entscheide auch nicht immer nach Aktenlage, wie oft behauptet werde. Wenn es nötig und sinnvoll sei, finde ein Patientenkontakt statt“.

Also: Alles in allem eine Institution, die sich endlich mal um die Interessen der Versicherten kümmert?

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Wie kommt es dann eigentlich, dass ich in meiner nunmehr 20-jährigen Krankenhausarbeit noch nie einen Arzt des MDK am Bett eines Patienten erlebt habe? Jemanden, der mit uns Klinikern überlegt, wie es mit der Therapie und der Versorgung eines Menschen weitergehen kann. Schon mehrfach habe ich telefonisch Ärzte des MDK zu einem Klinikbesuch aufgefordert, nicht ein einziges Mal mit Erfolg. In meiner Realität werden Unmengen von Aktenbergen ein halbes Jahr nach Beendigung der Therapie gewälzt und ex post dann beurteilt, was sinnvoll, effektiv und kostengünstig gewesen wäre. In diesem System der Überprüfung geht es ja in sehr vielen Fällen um die Frage der Verweildauer. Wenn Klinikärzte sich im Angesicht des Patienten und seiner persönlichen Situation dazu entscheiden, dass ein weiterer Krankenhaustag sinnvoll wäre, dann geht es also zum Zeitpunkt der Aktenprüfung gar nicht mehr darum, dem Versicherten eine Leistung zu verweigern, die hat er längst erhalten. Zu diesem Zeitpunkt geht es nur noch darum, ob die Krankenkasse des Patienten für diese von Klinikärzten für sinnvoll gehaltene Maßnahme bezahlen muss, oder die Klinik auf ihren Kosten sitzenbleibt. Und schon geht sie los, die Maschinerie, dass Klinikmitarbeiter sich dann ex ante überlegen, was dokumentiert werden muss, um vor dem MDK zu bestehen. Spätestens da geht es nicht mehr um das hehre Ziel, dass ärztliche Entscheidungen überprüfbar und nicht im luftleeren Raum halbgottgleich getroffen werden sollen, sondern ein erheblicher Aufwand entsteht überhaupt nur deshalb, weil man klinisch richtige Entscheidungen ja irgendwie wasserdicht machen will . . .

Dr. med. Axel Bürger, 89075 Ulm

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