ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014Lebensversicherungen: Eine schwere Belastungsprobe

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Lebensversicherungen: Eine schwere Belastungsprobe

Dtsch Arztebl 2014; 111(7): A-276 / B-239 / C-229

Fischer, Leo

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Abbildung: Fotolia/ag visuell
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Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen wird es für viele Lebensversicherer schwer, ihre Zinsversprechen zu erfüllen.

Die Lebensversicherungen leiden nach wie vor unter den extrem niedrigen Zinsen. Viele Versicherer sehen sich daher gezwungen, die Überschussbeteiligungen weiter zu senken. Die AXA Lebensversicherung AG und ihre Zweigniederlassung DBV, Deutsche Beamtenversicherung, reduzierten zu Jahresbeginn die Überschussbeteiligung für klassische Renten- und Lebensversicherungen auf 3,4 Prozent, 2013 waren es noch 3,65 Prozent. Auch die Ergo Direkt Lebensversicherung AG hat eine Herabsetzung der laufenden Überschussbeteiligung für dieses Jahr um 0,20 Prozentpunkte bekanntgegeben. Die Ergo Direkt zahlt auf ihre Lebensversicherungsverträge künftig eine Gesamtverzinsung in Höhe von 3,8 Prozent inklusive Schlussüberschuss – gegenüber vier Prozent für das Jahr 2013. Die R+V Leben senkt ihre Überschussbeteiligung auf 3,4 Prozent (nach 3,6 Prozent). Die R+V ist die Nummer vier auf dem deutschen Markt der Lebensversicherungen. Ein knappes Dutzend Lebensversicherer senkte für 2014 die Überschussbeteiligung.

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Garantiezins senken?

Dagegen bleibt der Branchenprimus Allianz bei einer laufenden Verzinsung der klassischen Policen von 3,6 Prozent, die auch im Vorjahr gezahlt wurde. Die Allianz hatte allerdings 2013 die Überschussbeteiligung von vier auf 3,6 Prozent zurückgenommen und blieb damit erstmals unter der psychologisch wichtigen Marke von vier Prozent. Aber in ihren besten Zeiten erhielten die Versicherungsnehmer sechs und sieben Prozent. Etwa die Hälfte der Versicherer blieben wie die Allianz bei der Überschussbeteiligung des letzten Jahres.

Allerdings waren die Anpassungen nach unten für dieses Jahr geringer, als eigentlich befürchtet wurde. Die Reduzierungen betrugen meist 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte. Im Durchschnitt erhalten die Kunden der Lebens- und Rentenversicherungen 3,39 nach 3,6 Prozent. Gleichwohl ist die Niedrigzinsphase für viele Lebensversicherungen eine schwere Belastungsprobe. Für einige Lebensversicherungen wird es schwer, ihre Zinsversprechen für ihre Kunden zu erfüllen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Garantieverzinsung, die derzeit bei 1,75 Prozent liegt. Im Durchschnitt liegt die Mindestverzinsung, die Gesellschaften auf ihren Bestand erwirtschaften müssen, bei 3,25 Prozent. In alten Verträgen (bis zum Jahr 2000) lag die Mindestverzinsung nämlich bei vier Prozent.

Um die Versicherer zu entlasten, wird eine Senkung des Garantiezinses diskutiert. Derzeit beträgt diese Mindestverzinsung 1,75 Prozent, die Versicherungsmathematiker haben sich dafür ausgesprochen, die Garantieverzinsung auf 1,25 Prozent zu senken. Diese Senkung kann aber erst zum 1. Januar 2015 in Kraft treten, und sie gilt nur für Versicherungen, die nach diesem Datum abgeschlossen werden.

Der Garantiezins spaltet die Branche: Große Versicherer wie Allianz Leben, die hohe Reserven haben, plädieren für eine Beibehaltung der 1,75 Prozent. Kleinere Unternehmen, die ihre Kapitalanlagen weniger breit gestreut haben, drängen auf eine Senkung. Eine Senkung würde wohl das Neugeschäft beeinträchtigen, auch wenn die meisten Unternehmen mehr zahlen.

Aktuare wollen abwarten

Die Deutsche Aktuarvereinigung will abwarten und in den nächsten Monaten die Zinssituation noch einmal überprüfen. Sollten die Zinsen steigen, wäre möglicherweise eine Senkung auf 1,5 Prozent (statt auf 1,25 Prozent) ausreichend. Die Entscheidung über die Mindestverzinsung fällt das Bundesfinanzministerium in Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Zuletzt war der Garantiezins, offiziell Höchstrechnungszins, 2012 gesenkt worden. Er ist die maximale Verzinsung, die die Lebensversicherer ihren Kunden für die ganze Laufzeit des Vertrages versprechen dürfen. Die Lebensversicherungen sollen daran gehindert werden, im Kampf um neue Kunden mehr zu versprechen, als sie langfristig halten können. Der Garantiezins bezieht sich ebenso wie die Überschussbeteiligung nur auf den Sparanteil der Beiträge, nach Abzug der Verwaltungskosten und der Vertriebsprovisionen.

Dr. Leo Fischer

Überschussbeteiligung

Mit der Überschussbeteiligung werden die Versicherungsnehmer am Anlageerfolg des Versicherers beteiligt, den Versicherungsunternehmen mit den Prämien erwirtschaften. Anders als der Garantiezins ist die Überschussbeteiligung nicht garantiert, sondern variiert mit der Höhe der Kapitalerträge, die die Versicherung erwirtschaftet. Je höher die Rendite ist, die das Unternehmen mit den Kapitalanlagen erzielt, desto höher die Überschussbeteiligung. Die Höhe der Überschussbeteiligung wird jährlich neu ermittelt. Positiv wirkt sich auch auf die Überschussbeteiligung aus, wenn die Versicherung Kosten spart. Denn wenn die Abschluss- und Verwaltungskosten niedrig gehalten werden, steigt der Sparanteil der Beiträge, der für Kapitalanlagen zur Verfügung steht.

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