ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014Börsebius: Gier frisst Hirn, Hirn frisst Gier

GELDANLAGE

Börsebius: Gier frisst Hirn, Hirn frisst Gier

Dtsch Arztebl 2014; 111(7): A-278 / B-242 / C-230

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Seit Jahren kam es immer wieder vor, dass mich Leser nach Genussscheinen der Firma Prokon fragten. Meine Antwort war immer die gleiche: „Ich würde das nicht machen, irgendwann sind die pleite. Wer so eine hohe Rendite verspricht, kann nicht ernst genommen werden.“ Bei erstaunlich vielen Telefonaten kam darauf eine verblüffende Reaktion: Stille in der Leitung, dann das „Geständnis“, man habe die Genussscheine bereits gekauft und habe sich auf diesem Weg eine Rückversicherung holen wollen, dass alles gut sei.

Wie wir heute alle wissen, war nichts, rein gar nichts gut bei Prokon. Prokon hat Insolvenz angemeldet. Zigtausende Anleger sind auf die Masche mit der alternativen Energie und die hohen Zinsversprechungen hereingefallen. Wie ich bei der letzten Börsebius-Telefonberatung im Januar erfahren musste, waren darunter auch jede Menge Leser, deutlich mehr als ich dachte.

Mittlerweile beeilen sich Politiker jedweder Couleur, für solche Produkte des grauen Kapitalmarktes einen besseren Anlegerschutz einzufordern. Das wird natürlich nicht viel bringen, gut gebrüllt. Derweil glauben immer noch genügend Prokon-Anleger, dass die Sache für sie einigermaßen gut ausgehen wird, wegen der werthaltigen Assets. Ich bin da skeptisch.

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Aktuell prügeln die Medien auf die BaFin ein, sie habe schon lange gewusst, wie es um Prokon steht und nichts unternommen. Hintergrund ist ein Schreiben der Prokon an die BaFin vom 4. November 2008, es sei kein Geld mehr da, man sei überschuldet und wolle jetzt Genussscheine ausgeben, ob die BaFin was dagegen habe . . .

Ich kann da nur sagen „schlau eingefädelt“. Die Bankenaufsicht vorbeugend für seltsame eigene Geschäfte einzuspannen, wohl wissend, dass die Behörde gesetzlich dazu gar nichts sagen oder einwenden kann, ist eine intellektuelle Glanzleistung.

Es stimmt schon, dass die Gier der Anleger deren Hirn zerfrisst. Gleichwohl braucht es auch Hirn, um die Gier der Anleger anzufachen. Gier frisst Hirn. Hirn aber auch Gier. So einfach ist das.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 1. März 2014 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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