ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014Ambulante Versorgung: Kein „Arzt-Hopping“

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Ambulante Versorgung: Kein „Arzt-Hopping“

Dtsch Arztebl 2014; 111(7): A-254

Osterloh, Falk

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Nur drei Prozent der Patienten kontaktierten im Jahr 2012 mehr als drei verschiedene Hausärzte. Die Zahl der gesamten Behandlungsfälle 2012 stagnierte.

Die Zahl der Behandlungsfälle im ambulanten Bereich ist im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr mit 8,2 pro Patient konstant geblieben. Das geht aus dem Barmer-GEK-Arztreport 2014 hervor, der auf den Daten der mehr als acht Millionen Versicherten der Kasse beruht. 92 Prozent der Versicherten haben im Jahr 2012 zudem mindestens einmal einen niedergelassenen Vertragsarzt kontaktiert. Im Durchschnitt suchte jeder Versicherte 3,4 unterschiedliche Ärzte beziehungsweise Arztpraxen auf. Leistungen von vier oder mehr unterschiedlichen Arztpraxen beanspruchten 56 Prozent der Bevölkerung. Elf Prozent der Versicherten suchten mehr als sechs unterschiedliche Ärzte auf. Die Zahl der gesamten Arztkontakte sei seit der Einführung der stärker pauschalierten Vergütung im Jahr 2008 nicht mehr quantifizierbar, so die Autoren des Reports.

„Arzt-Hopping“ als Massenphänomen lasse sich für Deutschland ausschließen, heißt es weiter. Denn 60 Prozent der Patienten kontaktierten innerhalb des Jahres 2012 genau einen Hausarzt. Nur drei Prozent kontaktierten vier oder mehr unterschiedliche Hausarztpraxen. Bei anderen Arztgruppen seien die „Wechselraten“ noch geringer.

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Am häufigsten suchten die Patienten im vergangenen Jahr Hausärzte auf: Von je 1 000 Versicherten konsultierten 643 Versicherte mindestens einmal einen Allgemeinmediziner und 260 einen hausärztlich tätigen Internisten. „Insgesamt entfielen 2012 mehr als ein Drittel aller abgerechneten Behandlungsfälle auf Hausärzte“, heißt es im Report.

376 je 1 000 Versicherten beanspruchten zudem Leistungen von einem Laborarzt, 262 kontaktierten einen Gynäkologen, 255 einen Augenarzt, 208 einen Radiologen und 196 einen Orthopäden. Es folgen Hautärzte (189), fachärztlich tätige Internisten (187), HNO-Ärzte (177), Chirurgen (143), Pathologen (138), Kinderärzte (117), Nervenärzte (106), Urologen (89) und Psychotherapeuten (23).

Die am häufigsten gestellten Diagnosen waren im Jahr 2012 essenzielle Hypertonie, Rückenschmerzen, Akkomodationsstörungen und Refraktionsfehler sowie Störungen des Lipoproteinstoffwechsels und sonstige Lipidämien.

Mehr Hautkrebsdiagnosen

Als Schwerpunkt analysierten die Autoren des „Arztreport“ in diesem Jahr das Thema Hautkrebs. Demnach ist die Zahl der Diagnosen eines malignen Melanoms nach Hochrechnung der Autoren zwischen den Jahren 2005 und 2012 bundesweit von 189 000 auf 318 000 angestiegen. Die Anzahl der Diagnosen weiterer bösartiger Neubildungen der Haut, wie Basalzell- und Plattenepithelkarzinome, sei demnach im gleichen Zeitraum von 647 000 auf 1,3 Millionen angestiegen. Positiv sei hingegen die hohe Überlebensrate, sagte Dr. Thomas Grobe vom AQUA-Institut, das den Report für die Barmer-GEK verfasst hat. So liege die relative Überlebensrate bei einem malignen Melanom zwei Jahre nach der Diagnose bei 97,4 Prozent. Einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zufolge belege das maligne Melanom im Hinblick auf die Überlebensrate unter 26 bösartigen Krebserkrankungen den drittgünstigsten Rang, so Grobe.

Der Arztreport fußt nach Angaben der Barmer-GEK auf 76,4 Millionen Behandlungsfällen sowie 305 Millionen dokumentierten Diagnoseschlüsseln.

Falk Osterloh

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