ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Telefaxaktion in den USA: Adoptiveltern verteidigen chinesische Waisenhäuser

THEMEN DER ZEIT: Blick ins Ausland

Telefaxaktion in den USA: Adoptiveltern verteidigen chinesische Waisenhäuser

afp; Korzilius, Heike

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LNSLNS Hunderte der rund 5 000 amerikanischen Familien, die seit 1985 chinesische Kinder adoptiert haben, sind einem Aufruf des Vereins "Familien mit Kindern aus China" (FCC) gefolgt und haben Telefaxe an die chinesischen Adoptionsbehörden geschickt, in denen sie ihre Loyalität bekunden. Nach Ansicht des FCC verrichten die Betreuer der chinesischen Waisenhäuser ihre Arbeit gewissenhaft. Daß das Heimpersonal Kinder bewußt vernachlässige und dabei einkalkuliere, daß Kinder stürben, sei unvorstellbar.
Der Verein reagierte damit auf den Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Die Organisation hatte der chinesischen Regierung Anfang des Jahres vorgeworfen, sie dulde stillschweigend, daß Tausende Waisenkinder jährlich in staatlichen Heimen verhungerten und durch Vernachlässigung stürben. Die Vorwürfe stützten sich hauptsächlich auf den Augenzeugenbericht der chinesischen Ärztin Shu-Yun Zhang, die von 1988 bis 1993 im Waisenhaus von Shanghai arbeitete (vgl. DÄ 10/1996).
Nach Ansicht des FCC laufen die Adoptiveltern Sturm gegen den Bericht, weil sie befürchten, daß sich die Lage der chinesischen Waisen dadurch weiter verschlechtern könnte. Sollte China auf den Bericht mit einem Stop der Auslandsadoptionen reagieren, würde dies vor allem den Kindern schaden. Denn Adoptionsgebühren und Spenden von Adoptiveltern tragen bislang dazu bei, die Einrichtungen der Waisenhäuser zu verbessern.
Human Rights Watch hält jedoch trotz aller Kritik an ihrem Bericht fest. Die Adoptiveltern hätten nur einige wenige der mehr als 1 000 chinesischen Kinderheime besuchen dürfen. Nach den jüngsten Zahlen, die die chinesische Regierung veröffentlicht hat, liegt die Sterberate in den chinesischen Kinderheimen bei 60 bis 70 Prozent. Die Zahl der Adoptionen chinesischer Kinder durch amerikanische Eltern hat nach Angaben des USAußenministeriums stark zugenommen. Waren es 1985 noch 16 Kinder, die adoptiert wurden, stieg ihre Zahl 1995 auf 2 130 an. afp/HK
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