ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Abkehr von staatlicher Gesundheitsversorgung

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Abkehr von staatlicher Gesundheitsversorgung

Korzilius, Heike

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LNSLNS Das ehemals staatliche chinesische Gesundheitswesen ist im Umbruch. Wie das "Time Magazine" im April berichtete, belasten die steigenden Gesundheitskosten den Staat zunehmend. Im Zuge von Wirtschaftsreformen und aufgrund der Sparmaßnahmen der Regierung werden Subventionen im Gesundheitsbereich allmählich abgebaut. Patienten müssen deshalb immer häufiger selbst für Leistungen zahlen, die einmal unentgeltlich waren. So sind die medizinischen Kooperativen, die in der Vergangenheit einen großen Teil der Landbevölkerung unentgeltlich versorgten, seit der Privatisierung der Landwirtschaft im Jahr 1979 fast verschwunden. Viele staatliche Industriebetriebe, die Millionen von städtischen Arbeitern unentgeltlich medizinisch betreut haben, sind inzwischen vom Konkurs bedroht. An ihre Stelle treten meist Privatbetriebe, die keine medizinischen Leistungen anbieten.
Rund 80 Prozent der Chinesen müssen mittlerweile ihre Arzt- und Medikamentenrechnungen selbst bezahlen. Dabei gibt es große Unterschiede in der Qualität der medizinischen Versorgung zwischen relativ wohlhabenden städtischen Regionen und vergleichsweise armen ländlichen Gebieten. Bei einem jährlichen Einkommen von durchschnittlich 464 Dollar in den Städten und 180 Dollar auf dem Land können sich viele Chinesen die Behandlung in einem der Top-Krankenhäuser Chinas nicht mehr leisten. Die kostet nämlich zwischen 600 und 1 200 Dollar. Als Folge droht die Entwicklung einer Zwei-Klassen-Medizin.
Lösungen für die Probleme im Gesundheitswesen will die Regierung auf einer nationalen Gesundheitskonferenz im Juli oder August erörtern, berichtet "Time" weiter. Eine Rückkehr zur staatlichen, unentgeltlichen Gesundheitsversorgung für alle stehe aber nicht zur Debatte. HK
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