ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2014Rezidiviertes/refraktäres Hodgkin-Lymphom: Einfacher Score sagt die Überlebenschancen voraus

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rezidiviertes/refraktäres Hodgkin-Lymphom: Einfacher Score sagt die Überlebenschancen voraus

Dtsch Arztebl 2014; 111(8): A-312 / B-269 / C-257

Gulden, Josef

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Die Prognose älterer Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom und die sinnvollsten Folgetherapien waren bisher unklar. Die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe hat retrospektiv aus ihren Studien von 1993 bis 2007 Daten von 105 mindestens 60-jährigen Patienten analysiert, deren Erkrankung rezidiviert oder refraktär geworden war. 28 % von ihnen hatten an einer primär progredienten Erkrankung gelitten, 31 % an einem frühen und 41 % an einem späten Rezidiv. Die Zweitlinientherapie-Strategien bestanden aus intensivierten Salvage-Protokollen (22 %), konventioneller Polychemotherapie mit oder ohne Salvage-Radiatio in kurativer Absicht (42 %) oder ausschließlich palliativen Ansätzen (31 %). Die mediane Überlebenszeit der Gesamtkohorte betrug etwa ein Jahr, nach drei Jahren lebten noch 31 %. In einer multivariaten Analyse ergaben sich vier Faktoren, die unabhängig und signifikant das Überleben vorhersagten: Zeit seit Erstlinientherapie, Anämie, fortgeschrittenes Stadium bei der initialen Diagnose, klinisches Stadium III/IV bei der Diagnose von Rezidiv oder refraktärer Erkrankung. Ein aus diesen Risikofaktoren konstruierter Score konnte zwischen Patienten mit günstiger und ungünstiger Prognose diskriminieren: Kein oder ein Risikofaktor bedeutete eine 3-Jahres-Überlebensrate von 59 %, bei zwei oder mehr Faktoren sank sie auf 9 % ab.

Gesamtüberleben älterer Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem Morbus Hodgkin
Gesamtüberleben älterer Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem Morbus Hodgkin
Grafik
Gesamtüberleben älterer Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem Morbus Hodgkin

In der Gruppe mit günstiger Prognose schnitten die Patienten, die als Rezidivtherapie eine konventionelle Polychemotherapie mit oder ohne Radiotherapie erhalten hatten, deutlich besser ab als die mit anderen Modalitäten Behandelten (mediane Überlebenszeit 61 vs. 6 bzw. 9 Monate; p < 0,001). In der Hochrisikogruppe konnte die Art der Therapie die schlechte Prognose nicht beeinflussen.

Fazit: Bei älteren Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hodgkin-Lymphom und niedrigem Risiko-Score ist eine konventionelle Chemotherapie mit oder ohne Bestrahlung die Therapie der Wahl. Für Hochrisiko-Patienten hingegen, bei denen keine verfügbare Therapie großen Nutzen bringt, besteht dringender Bedarf für wirksamere Behandlungen. Große Hoffnungen werden hier in das Immuntoxin Brentuximab Vedotin gesetzt, das allerdings bisher nur nach autologer Stammzelltransplantation zugelassen ist oder wenn eine solche nicht infrage kommt. Josef Gulden

Böll B, Goergen H, Arndt N, et al.: Relapsed Hodgkin lymphoma in older patients: A comprehensive analysis from the German Hodgkin Study Group. J Clin Oncol 2013, 31: 4431–7. MEDLINE

Gesamtüberleben älterer Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem Morbus Hodgkin
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