ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2014Sterbehilfe: Offene Fragen
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Es gibt zum Beispiel ALS-Patienten (Stephen Hawking), vielleicht auch deren Angehörige, die viele Jahre mit dieser Krankheit leben können. Andere leiden entsetzlich darunter, der Sterbevorgang beginnt oft mit der Diagnose und dauert quälend lang. Wie und wann soll man bei dieser zweiten Gruppe zwischen „Hilfe beim Sterben“ und „Hilfe zum Sterben“ differenzieren? Wie kann man ihnen „im Sterben mehr Leben (?) geben und das Sterben nicht aufhalten“? Wann setzt das Lebensende ein und lässt die Gabe stark wirksamer Medikamente zu, werden die Nebenwirkungen tatsächlich unbeabsichtigt oder doch beabsichtigt in Kauf genommen? Sterbende möchten in aller Regel zu Hause sterben. Wie wird eine häusliche Palliativbehandlung durchgeführt?

Nach meinen Informationen haben sich die Suizidraten in Ländern mit anderer Gesetzgebung (Benelux, Schweiz) nicht erhöht. Mir ist nicht bekannt, ob sich die Häufigkeit von Selbsttötungen mit unfreiwillig Beteiligten (zum Beispiel Lokführer, Autobahnnutzer/„Geisterfahrer“) in den genannten Ländern verändert hat. Sollte man nicht nur unseren Abgeordneten bei der Abstimmung über ein Sterbehilfegesetz eine „Gewissensentscheidung“ zubilligen, sondern auch den Betroffenen selbst, den Sterbewilligen und den Sterbenden? Mir scheint, dass uns die Beschäftigung mit dem Lebensende wesentlich schwerer fällt als mit den in diesem Zusammenhang vergleichsweise liberalen Abtreibungsgesetzen. Liegt das (nur) an unserer NS-Vergangenheit?

Dr. Stefan Günther, 20148 Hamburg

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