ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2014Sterbehilfe: Keine Rechtssicherheit für Ärzte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Reflexionen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) sind in ihrer Analyse vorzüglich, die daraus gezogenen Konsequenzen wirken jedoch verstörend: Der (erlaubte) assistierte Suizid ist keine ärztliche Aufgabe; es gibt keinen Bedarf für eine gesetzliche Neuregelung; eine standesrechtliche Klärung ist erforderlich, da die diesbezüglichen Vorgaben in den Berufsordnungen der Landesärztekammern divergieren; die Tatsache des frei verantworteten Suizids auch nach Ausschöpfung aller palliativen Möglichkeiten gibt es, er ist jedoch äußerst selten; Ärzte sollen einfühlsam und ohne moralische Wertung mit Suizidwünschen umgehen; Ärzte können in schwierigen Einzelfällen in eine Dilemmasituation kommen . . . alles richtig. Dieser Dilemmasituation hat die Formulierung in der alten (Muster-)Berufsordnung Rechnung getragen, und der frühere Präsident Jörg-Dietrich Hoppe hat sie nachvollziehbar begründet. Vermutlich würden bei einer Rückkehr zu dieser Formulierung sich die meisten oder alle Landesärztekammern anschließen.

Anders die DGP: Alle Landesärztekammern sollen die Verbotsformulierung der gültigen MBO übernehmen. Für die Kolleginnen und Kollegen, die sich in einer solchen Dilemmasituation befinden, dürfte der Hinweis auf den Verzicht von Sanktionen im Einzelfall keine Sicherheit bieten. Und die Betroffenen? Nachdem sich Ärzte einfühlsam mit ihrem Suizidwunsch befasst haben, müssen sie den Patienten sich selbst überlassen und damit entweder speziellen Organisationen oder drastischen Wegen der Selbsttötung. Soll das ethisch begründetes ärztliches Handeln sein? Und im Falle von verhängten Sanktionen wird es eine Flut von Gerichtsverfahren geben, deren Ergebnis eigentlich klar ist: Standesrecht darf nicht über das Strafrecht hinausgehen.

Dr. Jürgen Bickhardt, 85435 Erding

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote