ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2014Pompeji: Leben auf dem Vulkan

KULTUR

Pompeji: Leben auf dem Vulkan

Dtsch Arztebl 2014; 111(8): A-318 / B-274 / C-262

Nedbal, Dagmar

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Eine Ausstellung in München macht die wechselvolle Geschichte zwischen Prosperität und Zerstörung anschaulich.

Foto: picture alliance
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Im Jahr 79 n. Chr. begrub der Vesuv in einer gewaltigen Eruption die Städte Pompeji und Herculaneum unter einer bis zu 20 Meter hohen Schicht aus Asche und Bimsstein. „Man hörte Weiber heulen, Kinder jammern, Männer schreien“, mit drastischen Worten schildert Plinius d. J. (Epistulae VI, 20) die tödliche Katastrophe. Dieses furchtbare Ereignis ist, nicht zuletzt durch die berühmten archäologischen Funde der Vesuv-Stätten, fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Weniger bekannt: Nicht nur die Ausbrüche des bis heute aktiven Vesuv und weiterer Vulkane in seiner Umgebung, auch andere Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Erdbeben, Schlammlawinen und Überschwemmungen, bedrohen seit jeher den Golfo di Napoli. Die Campania felix, das glückliche Kampanien, galt bereits in der Antike als fruchtbar. Heute ist das Gebiet dichter besiedelt als jemals zuvor – Bedrohung hin oder her. Seit dem 18. Jahrhundert sind die Ausgrabungen rund um den Vesuv eine unerschöpfliche Quelle für Wissenschaft und Kunst. Pompeji und Herculaneum avancierten zu festen Stationen der Grand Tour, der Bildungsreise europäischer Adliger. Wichtige Zeugnisse dieser gewissen Antikenbegeisterung in Deutschland sind das Gartenreich von Dessau-Wörlitz und das Pompejanum in Aschaffenburg.

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Die Münchener Ausstellung „Pompeji – Leben auf dem Vulkan“ macht die wechselvolle Geschichte zwischen Prosperität und Zerstörung anschaulich. Sie präsentiert originale Fundstücke aus verschiedenen Epochen von der frühen Bronzezeit bis zum berühmten Ausbruch 79 n. Chr. Seit dem 18. Jahrhundert finden in den Vesuv-Stätten Ausgrabungen statt, die faszinierende Einblicke in die Jahrtausende alte Siedlungsgeschichte geben. Archäologisch sind die Vesuv-Ausbrüche ein „Glück“, konservierten sie doch das Leben der Menschen in Momentaufnahmen für die Ewigkeit. Komplette Hausinventare, Dinge des täglichen Gebrauchs, wie Tongefäße, Silbergeschirr, Goldschmuck und Möbel, aber auch eine Backform und ein verkohlter Brotlaib geben Aufschluss über die Lebensumstände in der damaligen Zeit. Bronze- und Marmorskulpturen, Mosaike und Wandmalereien zeugen außerdem vom reichen kulturellen Leben der antiken Gesellschaft.

Statue eines Läufers, Herculaneum, Villa dei Papiri, Bronze, spätes 1. Jh. v. Chr.–frühes 1. Jh. n. Chr., Foto: dpa
Statue eines Läufers, Herculaneum, Villa dei Papiri, Bronze, spätes 1. Jh. v. Chr.–frühes 1. Jh. n. Chr., Foto: dpa

Neben den weltberühmten illusionistischen Gartenmalereien aus dem Haus des Goldenen Armreifs in Pompeji und eines Tricliniums aus dem Gebiet von Stabiae kann die Kunsthalle mit einer Neuheit aufwarten: Anlässlich der Münchner Ausstellung und mit Mitteln der Hypo-Kulturstiftung wird ein großer Wandteil des reich mit Mosaiken verzierten Nymphäums aus Massa Lubrense restauriert und kann somit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für München wurde eigens eine Neupräsentation mit einer teilweise veränderten Auswahl an Exponaten erarbeitet und mit herausragenden Funden erweitert.

Die Münchner Ausstellung der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, 80333 München, ist bis 23. März täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet und bietet ein breites Begleitprogramm, mit Kinder- und Themenführungen sowie Vorträgen. www.hypo-kunsthalle.de

Dagmar Nedbal

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