ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2014Zystitis: Unnötige Antibiotikatherapie
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Im oben genannten Artikel wird die Arbeit von Hooton et al. referiert und kommentiert. Wir können uns sowohl der Wiedergabe der Arbeit als auch der Bewertung anschließen, sehen dies aber als Anlass, auf die außerordentlich unzuverlässige Aussage hinzuweisen, die ein Mittelstrahlurin (MSU) bei Mann und Frau ergibt.

Wir veröffentlichten Anfang der Siebziger Jahre Vergleiche von MSU und Blasenpunktionsurin (Suprapubic bladder aspiration, SPBA, Fiegel et. al. [1972], Höffler and Fiegel [1975]). Bei 1 013 konsekutiven Patienten (192 m; 821 w) der nephrologischen Ambulanz der Mainzer Universitätsklinik, bei denen eine Harnwegsinfektion vermutet wurde oder ausgeschlossen werden sollte, wurde die Blase punktiert und direkt danach der MSU gewonnen . . .

Wir kamen zum Schluss, dass der Befund von Enterokokken (und anderen Bakterien) im MSU fehlleiten und Anlass zu einer unnötigen Antibiotikatherapie sein kann. Eine Mischflora ist bei Patienten mit tatsächlicher Infektion selten. E. coli macht rund zwei Drittel aller Infektionen aus. Auch die Quantifizierung der Keime im Urin bringt nicht viel weiter . . .

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Nimmt man eine Kennzahl von MSU > 100 000 als Zeichen einer Infektion, werden 30 Prozent, nimmt man 10 000–100 000 als Grenze, werden 39 Prozent der Patienten unnötig behandelt. Nur das Ergebnis MSU steril kann als hartes Kriterium gelten.

Wir bedauern, dass die SPBA, die einfach zu erlernen, ungefährlich und nur wenig schmerzhaft ist, nicht die Rolle der „normalen“ Urinuntersuchung erlangen konnte. Vielmehr wird der oft fehlleitende MSU zur Basis der wichtigen Entscheidung gemacht, ob ein Antibiotikum gegeben werden soll oder nicht.

Obwohl unsere Untersuchungen in damals verbreiteten, allerdings deutschsprachigen Zeitschriften veröffentlicht wurden, fanden sie wenig Widerhall. Bis heute wurden unseres Wissens unsere Ergebnisse weder bestätigt noch falsifiziert.

Literatur bei den Verfassern

Dr. med. Peter Fiegel, 55126 Mainz,
Prof. Dr. med. Dietrich Höffler, Chefredakteur „Arzneiverordnung in der Praxis“, Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, 64331 Weiterstadt

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