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Wir bedanken uns für die interessanten Zuschriften zur Ergänzung unseres Artikels zur Kohlenhydratmalassimilation (1).

Tatsächlich werden im Alltag die Begriffe der hereditären Fruktoseintoleranz (Stoffwechselstörung) oft mit der Malabsorption der Fruktose verwechselt. Deshalb wurden diese Begriffe in der Zusammenfassung auch getrennt dargestellt und die gastrointestinale Kohlenhydrat-Intoleranz bezieht sich nur auf Resorptionsstörungen des Darms.

Da im Vordergrund des Artikels besonders die durch Kohlenhydrate (KH) vermittelten Unverträglichkeitsmechanismen standen, gehören die hereditären Ursachen zur Differenzialdiagnostik, zumal sich diese Störungen oft nach Zufuhr von fruktose- und galaktosehaltigen Lebensmitteln manifestieren und dann als Obst- oder Milchallergie/Laktosemaldigestion verkannt werden. Für den Hinweis zur Galaktose-1-Phosphat-Uridyltransferase und dem seit dem Jahr 2002 eingeführten Neugeborenenscreening sind wir Herrn Prof. Mönch sehr dankbar. Aufgrund der engen Platzvorgaben hatten wir in Tabelle 1 nur beispielhaft einen der möglichen Enzymdefekte bei Galaktosämie, die über die Galaktokinase katalysierte Reaktion, aufgeführt.

Wie aus der Zuschrift von Dr. Riechmann et al. hervorgeht, fehlen für die normale Bevölkerung standardisierte Provokationstests zur Diagnosesicherung der KH-Intoleranz, um die reale Prävalenz anzugeben. Deshalb haben wir zur „Definition der Kohlenhydratunverträglichkeit“ auch die geschätzten Angaben für die europäische Bevölkerung angegeben (Laktose 7–20 %, Fruktose 15–25 %, Sorbit 8–20 %), wobei schon der Schwankungsbereich zeigt, dass innerhalb Europas erhebliche Unterschiede bestehen und südländische oder asiatische Patienten wesentlich häufiger eine Laktosemaldigestion aufweisen.

Die in der Zuschrift von Riechmann et al. zitierte „Prävalenzrate von 30–40 %“ bezieht sich auf alle nichtimmunologischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (KH-Intoleranz, Alkoholunverträglichkeit, Fettunverträglichkeitssyndrom, biogene Amine, Salizylaten, Sulfite etc.), die kumulativ bis zu 30–40 % betragen können (13).

Der Goldstandard für die Diagnostik der KH-Intoleranz ist die orale Provokation am Patienten, die am besten mit dem H2-Atemtest kombiniert wird. Wie wir auch betonten, ist ein alleiniger Anstieg der H2-Atemgaskurve ohne Beschwerden des Patienten nur ein Hinweis für eine asymptomatische Malabsorption, die alleine noch keine diätetische Restriktion erfordert. Insofern besteht hier die Gefahr der Panik, wenn die Aussagefähigkeit des H2-Atemtests alleine überbewertet wird (1, 2, 4).

Auch wir konnten darauf hinweisen, dass Patienten mit derart gesicherter KH-Intoleranz eine bestimmte Menge des KH bis zur individuellen Schwellendosis tolerieren können, so dass eine individuelle Einstellung der KH-Dosis erfolgen sollte. Insofern ist es therapeutisch eine essenzielle Aufgabe, mittels professioneller Diätberatung und Schulung des Patienten wieder eine Dosisreduktion des KH in den „phylogenetisch begrenzten Bereich“ herzustellen.

Im Vergleich zu den von uns angegebenen geschätzten Prävalenzraten der gastrointestinalen KH-Malassimilation ist die Zahl der KH-Intoleranzen bei Patienten mit funktionellen Symptomen, psychosomatischen Krankheitshinweisen, Reizdarm und Allergien wesentlich höher (1, 4).

Hier sollte aktiv differenzialdiagnostisch danach gesucht werden (siehe auch Tabelle 2 aus [1]), weil dadurch bestimmten Patientenkollektiven entscheidend geholfen werden kann (1, 2, 4).

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0149

Für die Autoren

Prof. Dr. med. Peter Christopher Konturek

Klinik für Innere Medizin II, Thüringen Klinik Saalfeld

Rainweg 68, 07318 Saalfeld

pkonturek@thueringen-kliniken.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Raithel M, Weidenhiller M, Hagel AFK, Hetterich U, Neurath MFK, Konturek PC: The malabsorption of commonly occurring mono- and disaccharides—levels of investigation and differential diagnosis. Dtsch Aerztebl Int 2013; 110(46): 775–82 VOLLTEXT
2.
Stein J, Kist M, Raithel M: Erkrankungen durch Nahrungsmittel (Food-borne diseases) 1st edition. Stuttgart: Wissenschaftlich Verlagsgesellschaft 2011; 1–472.
3.
Skypala I: Adverse food reactions – an emerging issue for adults. J Am Diet Assoc 2011; 111: 1877–91 CrossRef MEDLINE
4.
Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG: A diet low in FODMAPs reduces symptoms of Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology 2014; 146: 67–75 CrossRef MEDLINE
1.Raithel M, Weidenhiller M, Hagel AFK, Hetterich U, Neurath MFK, Konturek PC: The malabsorption of commonly occurring mono- and disaccharides—levels of investigation and differential diagnosis. Dtsch Aerztebl Int 2013; 110(46): 775–82 VOLLTEXT
2.Stein J, Kist M, Raithel M: Erkrankungen durch Nahrungsmittel (Food-borne diseases) 1st edition. Stuttgart: Wissenschaftlich Verlagsgesellschaft 2011; 1–472.
3.Skypala I: Adverse food reactions – an emerging issue for adults. J Am Diet Assoc 2011; 111: 1877–91 CrossRef MEDLINE
4.Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG: A diet low in FODMAPs reduces symptoms of Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology 2014; 146: 67–75 CrossRef MEDLINE

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