ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996GnRH-Agonisten in der Gynäkologie

MEDIZIN: Kongressberichte und -notizen

GnRH-Agonisten in der Gynäkologie

Schindler, E.

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LNSLNS Am 18. September 1995 traf sich die Arbeitsgruppe "Genfer Gespräche – GnRH-Agonisten
(gonadotropin-releasing-hormone-Agonisten) in der Gynäkologie" und erarbeitete Grundsätze der Klinik, Diagnostik und Therapie der Myome des Uterus. Myome sind gutartige, östrogenabhängige Neubildungen bei der Frau. Myome entstehen unizellulär, sind mesenchymaler Herkunft und haben unterschiedliche fibröse und muskuläre
Anteile. Ätiologie und Pathogenese sind bislang nicht vollständig geklärt. Uterine Myomerkrankungen sind
noch vor der Endometriose die häufigsten gutartigen Erkrankungen der Frau in der Reproduktionsphase. Zu den Leitsymptomen in Abhängigkeit von Lokalisation und Größe zählen:
Blutungsstörungen, Schmerzen, Unterbauchbeschwerden und Symptome, die aus der Verdrängung der
Nachbarorgane resultieren. Myome können Fertilitätsstörungen verursachen; je nach Größe und Lage stellen sie eine mechanische (zum
Beispiel Tubenverschluß) oder eine funktionelle (zum Beispiel wiederholte Aborte) Ursache dar. Die Diagnose
der Uterusmyome erfolgt je nach Lokalisation durch bimanuelle, rektovaginale Untersuchung und Sonographie,
gegebenenfalls Hysteroskopie, Pelviskopie und Hysterosalpingographie.


Therapie der Myome
GnRH-Agonisten werden vor abdominaler Myomnukleation (pelviskopisch, per laparotomiam) drei Monate
lang eingesetzt. Daraus resultierten eine Reduktion von Uterus- und Myomvolumen, eine verminderte
Durchblutung des inneren Genitales und eventuell geringer intraoperativer Blutverlust und verkleinerte
Wundflächen. Nachgewiesene Vorteile bestehen bei der Anämie, sehr großen Myomen und besonderem
Myomsitz. Eine zu lange präoperative GnRH-Agonistentherapie kann die Myomenukleation durch fibrotische
Regressionsvorgänge erschweren. Bei hysteroskopischer Myomresektion ist eine zweimonatige GnRH
Agonistentherapie obligat.
Durch die daraus resultierende Volumenreduktion von Myom und Uterus wird die vollständige Resektion
erleichtert; durch die Atrophie des Endometriums mit reduzierter Blutungsneigung werden insbesondere die
Sichtverhältnisse im Operationsfeld deutlich verbessert, der Verbrauch an Distensionsmedium reduziert und
die Gefahr einer Flüssigkeitseinschwemmung vermindert.


Weitere Aspekte
Bei myombedingter Anämie ist – unabhängig von der Art des geplanten operativen Eingriffes – eine
mindestensdreimonatige präoperative Behandlung mit GnRH-Agonisten in Kombination mit Eisensubstitution
in der Lage, die Anämie zu beheben.
Bei nicht gegebener Operabilität ist eine GnRH-Agonisten-Langzeittherapie eine Alternative. Sofern die
Behandlungsdauer sechs Monate überschreitet, kann zusätzlich eine niedrig dosierte Hormonsubstitution erforderlich sein.
Nicht sinnvoll ist die GnRH-Agonisten-Therapie bei gestielten subserösen Myomen sowie Myomverkalkungen.
Abzubrechen ist die GnRH-Agonisten-Therapie, wenn nach mindestens zweimonatiger Behandlung eine
signifikante Myomvolumenreduktion oder ein Sistieren der Blutung nicht zu erzielen ist. Ein Malignom muß
dann ausgeschlossen werden. Neben den Symptomen des Östrogenentzugs (zum Beispiel Hitzewallungen,
Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit und weitere) konnten negative Einflüsse der GnRH-Agonisten auf
Leberstoffwechsel, Fettstoffwechsel und Blutgerinnung nicht gezeigt werden.


Prof. Dr. med. A. E. Schindler
Geschäftsführender Direktor
Zentrum für Frauenheilkunde
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
41522 Essen

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