ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Psychotherapie: Wie die Behandlung zu verbessern wäre
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Das vom GKV-Spitzenverband vorgeschlagene Verfahren einer akuten Kurztherapie von insgesamt 15 Sitzungen nach Sprechstundenkontakt mit Basisdiagnostik erscheint in Anbetracht der aktuellen Wartezeiten für Psychotherapieplätze durchaus sinnvoll. Allerdings stellt sich die Frage, ob eine solche Intervention nicht besser von niedergelassenen Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie angeboten werden sollte. So könnte die bisherige bewährte psychotherapeutische Versorgung weitgehend unverändert fortbestehen bleiben. Denn bisher erfolgt die psychiatrische Versorgung meist völlig abgekoppelt von der psychotherapeutischen Behandlung, aber meist im Sinne einer kurzfristigen Versorgung psychisch Kranker, um die langen Wartezeiten auf eine Therapie zu überbrücken. Die äußerst knappen psychiatrischen Budgets erlauben indes keine langen diagnostischen oder therapeutischen Gespräche, so dass deren psychotherapeutische Kompetenzen meist gar nicht zur Geltung kommen können. Daher werden in den psychiatrischen Praxen vorwiegend pharmakologische Hilfsmaßnahmen eingeleitet, obwohl der alleinige primäre Einsatz von Psychopharmaka mitnichten immer einer leitliniengerechten Behandlung entspricht. Auch kann eine medikamentöse Behandlungsstrategie gegebenenfalls mit bestimmten psychotherapeutischen Interventionen kollidieren, und Nebenwirkungen können das Befinden oder die Compliance des Patienten auch hinsichtlich einer Psychotherapie empfindlich beeinträchtigen. Würden niedergelassene, psychotherapeutisch ausgebildete Psychiater demgegenüber auch eine nennenswerte Anzahl psychotherapeutischer Leistungen anbieten, wären von Beginn an differenziertere diagnostische und integriertere therapeutische Maßnahmen möglich. So könnte die Behandlungsqualität gerade zu Beginn der Erkrankung deutlich verbessert werden, ohne dass dadurch die Versorgung durch andere ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten infrage gestellt würde . . .

Dr. med. Wolfgang Eirund, Chefarzt der Abteilung für
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, MEDIAN Rheingau-Taunus-Klinik, 65307 Bad Schwalbach

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