ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Kollegen in Not: Früh intervenieren
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Die Offenlegung, dass auch Ärzte in ihrem Berufsalltag an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und Professionalität stoßen können und selbst Hilfe benötigen, ist ein weiterer, Realitäten abbildender Schritt, weg vom „Halbgott in Weiß“ hin zu transparenten und dennoch vertrauenswürdigen Arzt-Patienten-Kontakten.

Das fachliche und öffentliche Eingeständnis der anästhesistischen Fachgesellschaften und ihrer Entscheidungsträger, dass auch Ärzte als Menschen an Grenzen gebunden sind, dürfte es vielen Kollegen . . . erleichtern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit den klaren Empfehlungen zum Umgang mit belastenden Behandlungsverläufen, die routinemäßig umgesetzt werden können, kann der Folgeproblematik von zweiten und dritten Opfern bereits klinikintern im Ansatz begegnet werden.

Bei schwereren Verläufen kommt den leitenden Ärzten die Führungsaufgabe zu, betroffene Kollegen auf psychotherapeutische Interventionsmöglichkeiten hinzuweisen, da sich traumatisierte Personen häufig aus dem Kontakt zurückziehen. Zur orientierenden Einschätzung, ob eine psychotherapeutische Krisenintervention erforderlich ist, könnten den Betroffenen Selbstbeurteilungsfragebögen zugänglich gemacht werden, die entweder extern oder von den Betroffenen selbst ausgewertet werden . . .

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Der aktuelle Stand der Wissenschaft verfügt über psychotherapeutische Techniken, die situativ durch schwere Behandlungsverläufe ausgelöste Belastungsreaktionen mit einer Kurzzeitbehandlung, manchmal sogar innerhalb eines einzigen Termins, auflösen.

Eine frühzeitige Intervention verhindert die Ausweitung von Ängsten und Vermeidungsverhalten und beugt Chronifizierungen vor, so dass auch betriebswirtschaftlicher Schaden vermieden werden kann . . .

Ruth Pfister, Institut für TraumaHeilTherapie, 35390 Gießen

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