ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Kollegen in Not: Zwei Themen vermischt
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. . . Leider wurden zwei unterschiedliche Themen konsequent miteinander vermischt: das des Umgangs mit „furchtbaren Situationen“ des ärztlichen Berufslebens und das des Umgangs mit einem Behandlungsfehler. Die Empfehlungen des Artikels greifen deshalb ins Leere, weil nicht klar wird, auf welches Szenario sich die Vorschläge beziehen und an wen sie sich genau wenden. Es erscheint ja keinesfalls sinnvoll, nach jedem tödlichen Behandlungsverlauf „den Oberarzt/Chefarzt“ zu involvieren . . . und den Fall als Gedächtnisprotokoll zu dokumentieren oder gar „schnell eine interdisziplinäre Falldiskussion zu veranlassen“. Das gilt doch vermutlich nur dem schweren Behandlungsfehler. Und, sollte ich als Kollege das tun? Auch „reden, reden, reden“ ist schwerlich eine Empfehlung, die einem Betroffenen irgendwie weiterhilft, schon gar nicht im Fall eines Fehlers. Reden (in der Einzahl) im Gegensatz zum Schweigen erscheint sinnvoll, aber worüber und mit wem ist doch die Frage . . . Und: Wie, bitte sehr, „überwinde ich Rückzug und Kommunikationsverweigerung des Gegenübers“? – Diese Anweisung (?!) erscheint im Artikel sowohl als Empfehlung für Kollegen als auch für Vorgesetzte. Es ist nicht im geringsten erwähnt, dass der entscheidende Faktor misslingender Kommunikation der des fehlenden Verständnisses ist. Aus tiefenpsychologischer Sicht setzen sich im Fall gravierender emotionaler Erlebnisse neben Blockaden, die durch emotionale Überforderung im Sinne einer Traumatisierung verursacht sind, ja auch lebensgeschichtlich geprägte Kommunikationsstrukturen durch, die im Verhältnis zu den Eltern geprägt wurden und nicht mal eben veränderbar sind. „Reden, reden, reden“ ändert nichts an meinem Problem, wenn die Kollegen mich nicht verstehen, ich mich ihnen nicht verständlich machen kann, beziehungsweise meinen Fehler selbst nicht einmal verstehe. Im Fall des Behandlungsfehlers ist dieses Problem besonders gravierend, weil Kollegen möglicherweise in einen massiven inneren Loyalitätskonflikt in Bezug auf den Betroffenen des Fehlers geraten und ihnen deshalb Verständnis für den Kollegen gerade fehlt . . .

Dr. Rainer Steffensen, 14057 Berlin

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