ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Schach: Gescheit durch Schach

SCHLUSSPUNKT

Schach: Gescheit durch Schach

Dtsch Arztebl 2014; 111(9): [56]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Verzagen Sie nicht – es kann immer noch ein Politiker aus ihnen werden“, so Peer Steinbrück, 2013 Kanzlerkandidat der SPD, zweifacher Sitzenbleiber und nebenbei auch guter Schachspieler, zu besorgten Eltern, deren Kinder Schulklassen wiederholen mussten.

Das erinnert mich an den vielfachen russischen Schachmeister Peter Swidler, einen ebenfalls vor Intelligenz sprühenden Mann voller Selbstironie, der einmal erläuterte, wie er Schachspieler geworden sei: „In Russland schaut man zuerst, ob ein Kind mathematisch oder naturwissenschaftlich begabt ist, damit konnte ich nicht dienen. Dann wird die musikalische Eignung geprüft, wiederum Fehlanzeige bei mir. So wurde ich Schachspieler.“

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Zwar sagte mir die Frau vom mehrfachen WM-Kandidaten Viktor Kortschnoi, die im Übrigen in ihrem Beruf als Pharmavertreterin eine hohe Meinung von der Ärzteschaft hat(te), einmal, dass viele Schachspieler strohdumm seien, doch dürfte dies eher ihre exquisite Meinung sein. Im Allgemeinen sagt man Schachspielern nach, dass sie zwar gar nicht selten weltfremd seien, aber meistens doch eine gute Intelligenz aufwiesen.

Nachdem etliche Studien erwiesen haben, dass Schach als Schulfach sogar in sogenannten Brennpunktschulen mit hohem Migrationsanteil den allgemeinen Notendurchschnitt, also nicht nur in Mathematik, signifikant verbessert, blüht das Schulschach in Deutschland und anderswo immer mehr auf. „Schach macht schlau“, wirbt die „Münchner Schachstiftung“. Vermutlich ganz im Sinne des Bundespräsidenten a. D. Richard von Weizsäcker: „Der Schachsport fördert Fähigkeiten wie Konzentration, eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, Kombinationsvermögen und Ausdauer, Fähigkeiten also, die allgemein im Leben von Nutzen sind.“

Dennoch war ich erstaunt, als ich vor geraumer Zeit in der „New York Times“ las, dass das Gehirn trainierende Spiele – ist ein solches nicht auch Schach par excellence?! – die kognitiven Fähigkeiten bei Menschen aller Altersstufen verbesserten. Und zwar schier im Handumdrehen. In einer Studie von Jäggi sechs IQ-Punkte nach nur sechs Stunden Training – vielleicht verstehen ja nach der nächsten Deutschen Ärztemeisterschaft alle Teilnehmer die Relativitätstheorie?!

Dummerweise (oder doch glücklicherweise?!) konnten die Ergebnisse nicht bestätigt werden, noch muss sich der Homo sapiens wohl strebend und langfristig bemühen. „Ohne Fleiß kein Preis“, steht über dem Portal der Bamberger Luitpoldschule – warum aber nur begleitet von der hässlichen und abschreckenden Fratze eines Ungeheuers?!

Ich kenne nicht die IQ-Werte von Dr. med. Ralf-Alexander Schön vor und nach dem renommierten „Böblinger Open“, in jedem Fall gelangen ihm sehenswerte und „gescheite“ Kombinationen, nicht zuletzt die gegen Alexander Häckler.

Wie konnte er nach einem vorherigen Läuferopfer als Weißer am Zug schnell und schön gewinnen?

Lösung:

Das Damenopfer 1. Dxh6! durfte Schwarz wegen des erstickten Matts nach 1. . . . Lxh6 2. Sf7 matt nicht annehmen. Also blieb nur 1. . . . Kg8, doch nun ging das muntere Königstreiben mit 2. Sf7! Kf8 3. Dxg7+ Ke8 4. Sd6+ weiter – danach hatte Schwarz endgültig genug von der in seinem Fall möglicherweise nicht intelligenzfördernden Misshandlung.

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