ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Obstruktive Schlafapnoe: Neurostimulator reduziert nächtliche Atemstillstände

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Obstruktive Schlafapnoe: Neurostimulator reduziert nächtliche Atemstillstände

Dtsch Arztebl 2014; 111(9): A-353 / B-307 / C-294

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ob bei Patienten mit moderater bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe, die eine CPAP-Behandlung nicht akzeptieren oder nicht compliant sind, eine Reduktion der Atemstillstände durch eine Stimulation des Nervus hypoglossus zu erwirken ist, wurde in einer multizentrischen prospektiven Kohortenstudie geprüft. Dazu wurde 126 Patienten (83 % Männer, mittleres Alter 54,5 Jahren, BMI im Mittel 28,4, Erkrankungsdauer durchschnittlich 5,6 Jahre) ein Neurostimulator im oberen Brustkorb implantiert mit dem Ziel, die Erschlaffung von Zunge und Rachen, die als Auslöser der Apnoen gelten, zu verhindern. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ging im Verlauf von 12 Monaten nach Implantation des Neurostimulators signifikant (p < 0,001) um 68 % (von 29,3 auf 9,0 pro Stunde) zurück. Bei 66 % der Studienteilnehmer wurden eine AHI-Reduktion um mindestens 50 % und ein Score von weniger als 20 pro Stunde erwirkt. Parallel dazu reduzierte sich der Sauerstoffsättigungs-Index (ODI), der anzeigt, wie häufig die Sauerstoffkonzentration im Blut um mehr als 4 Prozent abfällt, signifikant (p < 0,001) um 70 % von anfangs 25,4 auf 7,4 pro Stunde. Die Tagesschläfrigkeit ging von 11,6 auf 7,0 (p < 0,001) zurück, der FOSQ-Score (Functional Outcomes of Sleep Questionnaire) besserte sich signifikant von median 14,3 auf 18,2 (p < 0,001), der Prozentsatz der Schlafzeit mit einer Sauerstoffsättigung unter 90 % reduzierte sich von durchschnittlich 8,7 auf 5,9 (p = 0,01). In einer anschließenden randomisierten Phase mit Respondern (n = 46) wurde festgestellt, dass eine Unterbrechung der Stimulation im Vergleich zur Weiterführung zu signifikanten Unterschieden in AHI und ODI führte (p < 0,001, Grafik). Insgesamt empfanden 40 % der Patienten die Stimulation zunächst als unangenehm, die Rate schwerer Nebenwirkungen lag unter 2 %, in zwei Fällen war eine Repositionierung oder Fixation des Gerätes nötig.

Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten
Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten
Grafik
Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten

Fazit: Die Hypoglossus-Stimulation ist eine wirksame und inzwischen ausgereifte Alternative zur herkömmlichen Therapie einer obstruktiven Schlafapnoe. Allerdings ist sie teuer und bewirkt ähnlich wie Protrusionsschienen lediglich eine Reduktion der Schlafapnoe um circa die Hälfte. „Die Neurostimulation sollte nur Patienten angeboten werden, die mit einer CPAP-Therapie oder verwandten Verfahren absolut nicht zurechtkommen“, rät Prof. Dr. rer. physiol. Thomas Penzel vom Schlafmedizinischen Zentrum der Charité Berlin. Die Kosten der Hypoglossus-Neurostimulation werden nach NUB Stufe 4 in Einzelfällen von den Krankenkassen übernommen. Christine Vetter

Strollo P, et al.: Upper-airway stimulation for obstructive sleep apnea. NEJM 2014; 370(2): 139–49. MEDLINE

Studie unterstützt von Inspire Medical Systems

Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten
Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten
Grafik
Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) bei Patienten, die initial auf eine Neurostimulation ansprachen und diese für fünf Tage unterbrachen oder weiterführten

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #686236
integra
am Freitag, 13. Juni 2014, 22:21

Kosten eines Implantats für Schlafapnoe

Als Leiter der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe in Österreich ist neben der wissenschaftlichen Erkenntnis auch der Preis ein Kriterium. Beim Zungenschrittmacher wird gerüchteweise von ca. € 20.000 gesprochen. Die neue Methode - wenn sie Vorteile bringt - muß natürlich von jemand bezahlt werden. Die Krankenkassen werden vermutlich nicht in jedem Fall mitspielen. Schon gar nicht in Österreich, wo die neue Methode vermutlich nur wenigen bekannt ist.
J.Hoza
SHG Schlafapnoe Österreich
Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige