ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2014Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Mitte 2015 steht das Gesundheitsnetz

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Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Mitte 2015 steht das Gesundheitsnetz

Dtsch Arztebl 2014; 111(9): A-336 / B-294 / C-280

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Vernetzung im Gesundheitswesen soll in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorn machen. Die erste Mehrwertanwendung für die Ärzte kommt allerdings nicht vor 2016.

Die Vernetzung des Gesundheitswesens gehe ohne zentralen Server, Cloud und Big Data vonstatten, denn „es handelt sich um eine hochsichere dezentrale Architektur“, betonte Prof. Dr. Arno Elmer, Hauptgeschäftsführer der gematik, beim Bitkom-Forum Public Sector am 11. Februar in Berlin. „Die NSA hätte es bei dieser Architektur sehr schwer gehabt, an irgendwelche vertraulichen Daten zu kommen.“ Laut Elmer ist die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) im Wesentlichen abgeschlossen, da mehr als 95 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten inzwischen eine eGK besitzen. Derzeit werden bereits die Ausschreibungen für die nächste Kartengeneration vorbereitet, die hinsichtlich Sicherheit und Kryptographie noch einmal ein höheres Level haben wird.

Möglichst schneller Ausbau

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Nach den erfolgreich durchgeführten Vergabeverfahren im vergangenen Jahr will die gematik zusammen mit der Industrie (darunter T-Systems, Atos, Compugroup) die Vernetzung jetzt zügig so weit vorantreiben, dass im vierten Quartal 2014 die etwa sechsmonatigen Tests bei 1 000 Leistungserbringern in zwei Testregionen starten können (Kasten). „Ab Mitte 2015 sind wir ,online-ready‘, dann können wir das Netz für das Gesundheitswesen bundesweit aufbauen“, kündigte Elmer an.

Die ersten Fachanwendungen im Test sind das Versichertenstammdatenmanagement, dessen Erprobung Mitte 2015 abgeschlossen sein soll, und die qualifizierte elektronische Signatur (QES) für die rechtsgültige Unterschrift. Zudem soll in der ersten Erprobungsstufe bis Ende 2015 auch die sicherere elektronische Kommunikation zwischen den Leistungserbringern, das heißt, der verschlüsselte elektronische Arztbrief getestet werden. Wenn alles klappt, könnte in der ersten Jahreshälfte 2016 der elektronische Arztbrief mit QES als erste echte Mehrwertanwendung für die Ärzte verfügbar sein.

Parallel dazu werden bereits das Notfalldatenmanagement, die elektronische Fallakte und die Arznei­mittel­therapie­sicherheit projektiert, die etwa ab 2016 in die Erprobung gehen könnten. „Die Idee ist, nach der erfolgreichen Erprobung der Stufe 1, die dann in den bundesweiten Rollout geht, möglichst schnell die nächsten Anwendungen zu testen“, erläuterte Elmer. „Das Ganze macht nur dann Sinn, wenn wir möglichst schnell alle anschließen, um dann flächendeckend die neuen Anwendungen zur Verfügung zu stellen.“ Es nütze nichts, wenn beispielsweise nur 20 Prozent der Ärzte angeschlossen seien und beim Versand eines elektronischen Arztbriefs unklar sei, ob der Empfänger im Netz erreichbar sei.

Frühzeitige Information

Neben den technischen Planungen sind allerdings noch viele andere Punkte zu regeln. Dazu zählen laut Elmer die Anpassung der Sicherheits- und Datenschutzanforderungen, die Finanzierung des bundesweiten Rollouts und die Abrechenbarkeit der Mehrwertanwendungen. Nötig seien auch eine stärkere Patientenzentrierung und eine koordinierte Information über das Projekt noch vor der Erprobung: „Wir testen zwar nur in 1 000 Praxen, aber wenn in einer Praxis am Tag 50 Patienten durchlaufen, sind das bei 20 Arbeitstagen im Monat 1 000 und bei 1 000 Praxen hochgerechnet eine Million Patienten, die an den Tests teilnehmen.“

Allein mit dem Versichertenstammdatenmanagement werden Elmer zufolge jährliche Einsparungen im hohen zweistelligen Millionenbereich für das Gesundheitssystem erzielt – allein dadurch, dass die Karten nicht mehr physisch ausgetauscht werden müssen und der Kartenmissbrauch durch das Foto eingedämmt wird.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn MdB, unterstrich in der Podiumsdiskussion die Bedeutung des Projekts, eine Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) für das Gesundheitswesen aufzubauen. „Wir versuchen, einen technisch rückständigen Bereich ins 21. Jahrhundert zu katapultieren.“ Dafür sei die TI ein Basisbaustein, um den herum sich alles andere entwickeln müsse. Hilfreich für die Entwicklung seien unter anderem monetäre Anreize.

Heike E. Krüger-Brand

Ende 2014 beginnt der Online-Test

An der Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) nehmen in den beiden Testregionen (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein sowie Bayern und Sachsen) jeweils 500 Arzt-/Zahnarzt- und Psychotherapeutenpraxen und fünf Krankenhäuser teil.

Zunächst wird das Versichertenstammdatenmanagement getestet. Dabei werden beim Stecken der Karten in der Praxis die auf der eGK gespeicherten administrativen Daten (Name, Adresse, Versichertenstatus) geprüft und gegebenenfalls direkt online aktualisiert. Das Einlesesystem ist dabei unabhängig von der jeweiligen Praxis- oder Krankenhaussoftware. Beim Test geht es vor allem um die sichere Verschlüsselung und die schnelle Übertragung der Daten. So soll die Prüfung auf Gültigkeit der Karten innerhalb von fünf Sekunden ablaufen. Darüber hinaus wird die qualifizierte elektronische Signatur für den sicheren Austausch von Dokumenten erprobt.

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