ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2014Tablet-PC für die Leberchirurgie

Supplement: PRAXiS

Tablet-PC für die Leberchirurgie

Dtsch Arztebl 2014; 111(9): [29]

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Mit der App lassen sich sämtliche Planungsdaten direkt am OP-Tisch anzeigen. Foto: Fraunhofer Mevis
Mit der App lassen sich sämtliche Planungsdaten direkt am OP-Tisch anzeigen. Foto: Fraunhofer Mevis
  • Bislang müssen sich Chirurgen vor einer Leber-OP präzise einprägen, wo die wichtigen Blutgefäße im Organ verlaufen und wo sich gegebenenfalls ein Tumor befindet, der entfernt werden soll. Eine App für Tablet-Computer, entwickelt am Fraunhofer MEVIS in Bremen, soll sie künftig dabei unterstützen und dazu beitragen, die Komplikationsraten zu senken.

Die Tablet-App basiert auf einer Planungssoftware von Leberoperationen, die weltweit in Kliniken verwendet wird und bis heute bei mehr als 6 000 Patienten zum Einsatz kam. Ausgehend von 3-D-Röntgenbildern wird damit für jeden Patienten vor der OP rekonstruiert, wo genau die Gefäße in der Leber verlaufen. Allerdings haben die Ärzte während des Eingriffs in der Regel nicht die Möglichkeit, einen Blick auf die von der Software errechneten Bilder zu werfen und den OP-Verlauf mit den Planungsdaten zu vergleichen.

Mit der App lassen sich sämtliche Planungsdaten direkt am OP-Tisch anzeigen. Zusätzlich ist es möglich, mit der integrierten Kamera des Tablets die Leber während der OP abzufilmen und das reale Bild über die Daten der Planungssoftware zu legen. „Mit dieser Funktion können wir quasi in das Organ hineinschauen und die Tumoren und das Gefäßsystem sichtbar machen“, erläuterte Prof. Dr. med. Karl Oldhafer, Chefarzt der Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie der Asklepios-Klinik Barmbek in Hamburg. Dort wurde das System erstmals erfolgreich getestet.

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Die Experten gehen davon aus, dass die Methode auch bei der Operation anderer Organe, wie etwa der Bauchspeicheldrüse, genutzt und in ihren Funktionen noch erweitert werden kann:

  • Durch simples Markieren auf dem Touchscreen kann der Arzt ausmessen, wie lang ein zu entfernendes Gefäßstück ist. Dadurch kann er genauer abschätzen, ob er die verbleibenden Enden zusammennähen kann oder ein anderes Gefäßstück einsetzen muss.
  • Nachdem der Chirurg bestimmte Gefäße entfernt hat, kann er sie auf dem Touchscreen mit einer „Radiergummi“-Funktion löschen. Die abgetrennten Gefäße verschwinden aus dem Bild und geben den Blick auf die darunter liegenden Strukturen frei.
  • Stellt sich beim Eingriff heraus, dass der zu entfernende Tumor größer ist als gedacht und daher zusätzliche Gefäße entfernt werden müssen, berechnet die App, welche Teile der Leber dadurch nicht mehr ausreichend durchblutet würden. Dadurch können die Chirurgen besser abschätzen, ob das verbleibende Organvolumen groß genug ist, damit der Patient überlebt. EB

Infos: www.mevis.fraunhofer.de

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