ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2014CeBIT 2014: Tragbare Elektronik, Smartcars, Big Data

Supplement: PRAXiS

CeBIT 2014: Tragbare Elektronik, Smartcars, Big Data

Dtsch Arztebl 2014; 111(9): [20]

Krüger-Brand, Heike E.

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Der Umgang mit immer größeren Datenmengen ist eine Herausforderung. Tablets, Smartphones und Wearables bestimmen zunehmend den Alltag. IT und Internet erobern jetzt auch das Auto.

Fotos: Samsung, picture alliance, Wikipedia, Deutsche Messe Hannover
Fotos: Samsung, picture alliance, Wikipedia, Deutsche Messe Hannover

Das CeBIT-Leitthema in 2014 heißt „Datability“. Der Begriff soll die Fähigkeit beschreiben, große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit zu nutzen (Big Data), und zwar auf eine verantwortungsvolle und nachhaltige Art und Weise (Englisch: ability, sustainability, responsibility). Wirtschaft und Wissenschaft sehen in Big Data große Potenziale. Für die Medizin gilt das beispielsweise auf dem Gebiet der personalisierten Medizin, in der Genomforschung und für die bildgebenden Verfahren.

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Ein Beispiel liefert der IT-Konzern IBM, der Cognitive-Computing-Dienste aus der Cloud anbietet und kürzlich angekündigt hat, eine Milliarde US-Dollar in die weitere Entwicklung seiner Watson-Techniken zu investieren. „Watson Discovery“ etwa soll Projekte in Forschung und Entwicklung unter anderem in der Pharma- und Biotechindustrie unterstützen. Die Lösungen werden von der neu gegründeten IBM Watson Group entwickelt, die Anfang Januar 2014 in New York vorgestellt wurde. Ziel ist es, mit lernenden Systemen die stetig wachsenden Datenmengen genauer zu analysieren.

So dauert es durchschnittlich achteinhalb Jahre, bis ein neues Medikament zur Marktreife gelangt. Mit dem „Watson Discovery Advisor“ sollen sich solche Prozesse erheblich beschleunigen lassen. Die kognitive Intelligenz des Systems soll es Forschern erleichtern, schneller als bisher aus Millionen von Artikeln und Studien die relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse herauszufiltern, auszuwerten und damit ihre eigene Arbeit erheblich zu beschleunigen. Über natürliche Spracheingabe gesteuert, sollen die Daten über „Watson Analytics“ aufbereitet, in Zusammenhänge eingebettet und die Ergebnisse in einem leicht interpretierbaren, interaktiven Format präsentiert und visualisiert werden. Die Projekte werden am IBM-Stand in Halle 2 gezeigt.

Als wesentlicher Antreiber für neue technische Entwicklungen gilt unter Experten das vernetzte Auto. In einem modernen Auto arbeiten inzwischen bis zu 90 Rechnersysteme. Foto: dpa
Als wesentlicher Antreiber für neue technische Entwicklungen gilt unter Experten das vernetzte Auto. In einem modernen Auto arbeiten inzwischen bis zu 90 Rechnersysteme. Foto: dpa

In der Wirtschaft spielt die gezielte, sichere Distribution von Informationen aus einem Datenpool ebenfalls eine immer größere Rolle, wie beispielsweise der IT-Dienstleister DATEV auf der Messe demonstriert (Halle 2/A54). Das Unternehmen archiviert die Buchführungsdaten von circa 2,5 Millionen Firmen. In einem durchgängig digitalen Prozess werden die Datensätze weitgehend automatisiert zwischen mittelständischen Unternehmen und deren Steuerberatern sowie vielen Institutionen ausgetauscht – darunter Finanzverwaltungen, Sozialversicherungsträger, Krankenkassen und Banken.

Hoffnungsträger Wearables

Was die Techniktrends betrifft, so ließ bereits die US-amerikanische Elektronikmesse CES in Las Vegas Anfang des Jahres erkennen, wohin die Reise geht: Während der Markt für stationäre PCs weitgehend gesättigt ist, stehen mobile Geräte und Anwendungen weiterhin hoch im Kurs bei den Nutzern. Neben Smartphones und Tablets in vielen unterschiedlichen Größen stoßen dabei vor allem am Körper tragbare elektronische Geräte („Wearables“) zunehmend auf Interesse. Dazu zählen Kopfhörer mit Biometriefunktionen, computerisierte Armbänder und Uhren oder Datenbrillen, die zum Beispiel als Aktivitäts- und Gesundheitstracker oder Navigationsgeräte einsetzbar sind.

Das Beratungsunternehmen Deloitte prognostiziert in seiner Studie „TMT Predictions 2014“, dass die Umsätze mit Wearables schon in diesem Jahr die Summe von drei Milliarden US-Dollar weltweit übersteigen werden. Der Großteil wird der Studie zufolge auf smarte Brillen entfallen, die für unterschiedliche Nutzungsszenarien, wie etwa Kurznachrichten oder Augmented-Realitiy-Funktionen, geeignet sind.

Der Versandhändler Pearl zeigt in diesem Kontext etwa ein Smartphone im Armbanduhren-Format (Halle 14/H17). Die AW-420.RX (simvalley Mobile) wird mit Android 4.2 und einem Google App-Pack ausgeliefert. In dem kompakten Metallgehäuse sind eine Drei-Megapixel-Kamera für Filme und Fotos sowie ein Speicherkarten-Slot untergebracht.

Mit „Quantified Self“-Apps beschäftigt sich die Fachhochschule Worms in ihrem Prüflabor für mobile Anwendungen (siehe Rheinland-Pfalz Gemeinschaftsstand lab, Halle 9/D23). Den Schwerpunkt bilden Visualisierungs-, Sicherheits- und Datenbankaspekte im Zusammenhang mit der Eigenmessung körperlicher Merkmale und sportlicher Aktivitäten durch den Anwender etwa per Smartphone. Im Prüflabor stehen ein Gerätepark und ein System aus Einzeltests auf Qualitätskriterien wie Sicherheit, Stabilität, Interoperabilität, Ressourcenverbrauch, Sensorik und Usability zur Verfügung.

Eine innovative Schnittstelle für Wearable-Computing-Anwendungen haben Informatiker des Karlsruher Instituts für Technologie entwickelt: Statt Buchstaben über eine virtuelle Tastatur auf dem Smartphone-Display einzugeben, zeichnen an einem Handschuh befestigte Sensoren die entsprechenden Schreibbewegungen des Trägers auf. Ein Computersystem erfasst die wesentlichen Signale und übersetzt sie in Druckschrift (Halle 9/D13).

Um „Smart City“-Applikationen geht es unter anderem beim Fraunhofer-Institut FOKUS (Halle 9/E40). Mit diesen Apps sollen die Bewohner in intelligent vernetzten Städten der Zukunft Informationen und Serviceleistungen mobil nutzen können. Plattformübergreifend sollen sie per Smartphone oder Tablet beispielsweise über Katastrophen und Unwetter informiert werden (Forschungsprojekt KATWARN) oder sich aktiv an Entscheidungen beteiligen (Open Government Apps). Die Apps könnten dadurch das Leben für Bürger, Unternehmen und Verwaltung vereinfachen und dazu beitragen, Ressourcen und Prozesse in der modernen Stadt zu optimieren.

IT- und Auto-Branche finden zusammen

Als wesentlicher Antreiber für neue technische Entwicklungen gilt unter Experten das vernetzte Auto. In einem modernen Auto arbeiten inzwischen bis zu 90 Rechnersysteme. Dazu zählen etwa IT-gestützte Fahrerassistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Abstandsregel-Tempomat und Kollisionswarner. Das Datenaufkommen im Straßenverkehr wird erheblich zunehmen. Daher suchen die Automobilkonzerne verstärkt die Kooperation mit der IT-Branche. Dazu passt, dass in diesem Jahr der Vorstandsvorsitzende des Automobilkonzerns Volkswagen, Martin Winterkorn, die IT-Messe am 9. März eröffnet. Zwei große Allianzen haben sich schon gebildet: So soll das von Google entwickelte Betriebssystem Android künftig unter anderem in Fahrzeugen von Audi, Honda, Hyundai eingesetzt werden („Open Automotive Alliance“; www.openautoalliance.net), wohingegen Apple eine Partnerschaft mit Herstellern wie BMW, Daimler und Ferrari eingegangen ist, um die mobile Plattform iOS („iOS in the car“; www.apple.com/de/ios/whats-new) im Auto zu etablieren. Autofahrer sollen über die digitalen Dienste einen komfortablen Zugang zu Musik, Unterhaltung, Nachrichten oder Navigationsdiensten erhalten. Erste Beispiele hierfür gibt es bereits: Beim Versandhändler Pearl ist ein innovatives Android-Autoradio zu sehen. Das NavGear DSR-N 270 im 2-DIN-Format ermöglicht auf seinem 6,2 Zoll großen Farbdisplay Live-Navigation über das Internet, WLAN, Bluetooth und Entertainment.

E-Government: Noch wenig genutzt

Nach dem E-Government-Gesetz vom 1. August 2013 sind Behörden von Bund und Ländern verpflichtet, ab Juli 2014 elektronische Dokumente anzunehmen. Ab Januar 2015 müssen alle Kommunen eine Identifizierung mit der Online-Ausweisfunktion (eID) des neuen Personalausweises (nPA) ermöglichen. Die Online-Funktionalitäten des vor drei Jahren eingeführten nPA werden jedoch bisher kaum genutzt. Nach dem jährlich von der Initiative D21 und ipima erhobenen E-Government-Monitor nutzen erst 27 Prozent aller Deutschen den Personalausweis mit eID. Seit dessen Einführung im November 2010 wurden mehr als 24 Millionen Ausweise ausgegeben – deutlich weniger als erwartet.

Dennoch wächst das Angebot an E-Government-Diensten. So startete im Oktober 2013 die zweijährige Pilotphase für das Bürger-Terminal in Sachsen, über das unter anderem Anträge auf Betreuungs- oder Wohngeld eingereicht werden können und das die eID-Funktion des neuen Personalausweises integriert. Um die Akzeptanz zu verbessern, schlägt das Kompetenzzentrum „Öffentliche IT“ am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS vor, eine Ausweis-App als quelloffene und nutzerfreundliche Software zu entwickeln. Auch sollten Optionen wie Verschlüsselungszertifikate für eine vertrauliche Kommunikation oder die Kombination des nPA mit zusätzlichen Identitätsattributen wie Firmenzugehörigkeit oder Bankdaten evaluiert werden. Über den Stand der E-Government-Aktivitäten kann man sich auf dem Public Sector Parc in Halle 7 informieren. Im Forum werden zusätzlich Themen wie De-Mail, Online-Ausweisfunktion, Bürgerterminals und Social Media aufgegriffen.

Gesundheits-IT ist ebenfalls ein Thema der CeBIT. Auf dem Gemeinschaftsstand von Rheinland-Pfalz präsentiert die Technische Universität (TU) Kaiserslautern beispielsweise eine IT-Lösung für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum (Halle 9/D23). Weil es in strukturschwachen Regionen immer schwieriger wird, eine optimale medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten und beispielsweise den Zugang zu Fachärzten sicherzustellen, hat die TU eine „virtuelle Arztpraxis“ entwickelt. Mit dem internetgestützten interaktiven System können Patienten mit ihren Ärzten kommunizieren und auch biometrische Daten übertragen. Nach der Übertragung und Auswertung der Messdaten kann der Arzt entsprechende Maßnahmen für den Patienten einleiten.

Das System „BEVIA pflegen und betreuen“ (Micos) enthält ein mit Experten entwickeltes Wundmanagement, in dem alle Aspekte der Wundanamnese, -beobachtung und -behandlung revisionssicher und nach dem neusten Stand der Technik dokumentiert werden (Halle 6/A50).

Der Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz der Universität Mainz befasst sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen (Halle 9/D23). Die Präsentation informiert über die Gefahren für die (psychische) Gesundheit, die aus einer problematischen bis exzessiven Nutzung von PC und Internet entstehen können. Gezeigt wird der implizite Assoziationstest (Harvard University), der in einer Studie der Ambulanz für Spielsucht der Psychosomatischen Klinik an der Universitätsmedizin Mainz mit Unterstützung des Forschungsschwerpunktes Medienkonvergenz angewendet wird. Messebesucher können den Test durchführen und sich auf die (vor)bewussten Einstellungen zum Internet testen lassen.

Intelligente Haustechnik und Vitalsensorik

Das FZI-Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe, präsentiert Ergebnisse aus seinen Living Labs AAL (Ambient Assisted Living) und Smart Home (Halle 9/D13): In einer eigens aufgebauten Forschungsinfrastruktur erforschen und entwickeln Wissenschaftler des FZI intelligente Haustechniken, drahtlose Vitalsensorik und erproben deren Integration in den privaten Wohnbereich sowie in Pflege- und Versorgungsprozesse. Die Forschungsumgebung besteht aus einer Zweizimmerwohnung, die mit Sensoren, Aktoren und Gateways sowie mit Haushaltsgeräten verschiedener Hersteller ausgestattet ist. Die Geräte bieten aufgrund einer Datenvernetzung und Fernsteuerbarkeit zusätzliche Funktionen, die sich für AAL-Dienste nutzen lassen. Smart-Metering-Techniken kommen ebenso zum Einsatz wie kabelgebundene und drahtlose Bussysteme für die Vernetzung der Komponenten. Standbesucher erhalten virtuelle Einblicke in die smarte Wohnung. Heike E. Krüger-Brand

CeBIT- Konferenzthemen

Neben Wikipedia-Gründer Jimmy Wales wird auch Apple-Mitgründer Steve Wozniak auf der Leitkonferenz der Messe sprechen. Sieben Themen greifen die „Global Conferences“, das Konferenzprogramm der CeBIT, in Halle 8 auf:

  • Mobile: Smartphones und Tablets bestimmen den Alltag. Immer häufiger heißt es: „Mobile first“.
  • Datability: Das diesjährige Leitthema beschreibt die Fähigkeit, große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit intelligent zu analysieren und verantwortungsvoll zu nutzen. Anwendungsfelder: Energie, Verkehr und Gesundheit.
  • Social Business: Nutzergenerierte Inhalte und soziale Netze beeinflussen zunehmend die Geschäftsprozesse von Unternehmen.
  • Industrial Internet: Die Digitalisierung von Produktion und Logistik führt zu kürzeren Innovationszyklen, flexiblerer Fertigung und individualisierten Produkten.
  • Trust & Security: Das Thema Daten- und Systemsicherheit hat durch die Enthüllungen über umfassende staatliche Kontrollen des Datenverkehrs besondere Aktualität erhalten.
  • Smart Cities: Megacities, alternde Gesellschaften und steigende Kosten für Gesundheitsversorgung und Energie sind Problemfelder, für die intelligente, vernetzte Lösungen erforderlich sind.
  • Game-changing Technologies: Neue Technologien können Märkte schnell und fundamental verändern. Unternehmen müssen Trends frühzeitig einschätzen.

CeBIT im Überblick

Zeit: 10. bis 14. März 2014

Ort: Messegelände Hannover

Öffnungszeiten: 9.00 bis 18.00 Uhr

Veranstalter: Deutsche Messe AG

online: www.cebit.de

Tickets

Tagesticket: Vorverkauf 55 Euro, Tageskasse 60 Euro

Dauerticket: Vorverkauf 105 Euro, Tageskasse 110 Euro

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