ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Einkommensteuer: Die Steuererklärung aus dem Praxiscomputer

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Einkommensteuer: Die Steuererklärung aus dem Praxiscomputer

Jobst, Peter

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LNSLNS Die jährliche Einkommensteuererklärung ist den meisten Bundesbürgern eine lästige Pflicht. Belege müssen gesammelt, Formulare ausgefüllt und Zahlenkolonnen berechnet werden. Hochbetrieb herrscht daher bei Steuerberatern: Zu festgelegten Gebühren nehmen sie ihren Mandanten nahezu alle Arbeiten rund um die Steuererklärung ab. Doch auch der Computer wird zunehmend zur wirksamen Hilfe. Rund zwei Dutzend Einkommensteuerberechnungsprogramme werden heute bereits angeboten – und das zu erstaunlich niedrigen Preisen.
Geeignet ist jeder gängige Heim- oder Personalcomputer, der mit dem Betriebssystem DOS von Microsoft und – zumindest für einige Programme – mit der grafischen Benutzeroberfläche Windows ausgestattet ist. Bei den Programmen selbst lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: Programme mit beigefügtem Handbuch und Handbücher mit beigefügtem Programm. Im ersten Fall beschränken sich die schriftlichen Informationen weitgehend auf Erläuterungen zu den Bedienungsfunktionen der Software. Lediglich ansatzweise wird auch steuerliches Basiswissen geliefert. Zu den wichtigsten Programmen zählt hier das mit 150 DM teuerste Programm "TK Software Steuer 1995" vom Ratinger "TK Software Vertriebs-Service", das bei Vergleichstests, etwa der Stiftung Warentest, schon seit Jahren die Spitzenposition einnimmt.
Hingegen erhält der Anwender bei Programmen der zweiten Kategorie einen umfangreichen, oft mehrere hundert Seiten starken Steuerratgeber, dem lediglich zur vereinfachten Zusammenstellung der persönlichen Daten eine Programmdiskette beigefügt ist. Hierzu zählen etwa das "Wiso 95/96-Sparbuch" zur gleichnamigen ZDF-Fernsehsendung oder "Das große Steuerspar-Paket 95/96" von Data Becker, das über den Computerfachhandel angeboten wird. Hohe Verkaufszahlen erreichen auch die Programme "QuickSteuer" von der Ismaninger Intuit Deutschland GmbH und "Taxman" vom Freiburger Rudolf Haufe Verlag.
Die Wahl der Software richtet sich daher vorrangig nach dem individuellen Bedarf. Steuerzahler, die wenig Zeit oder aber ausreichendes Basiswissen zum Thema Einkommensteuer haben, sind mit Programmen der ersten Kategorie gut beraten. Hingegen werden die Programme der zweiten Kategorie alle diejenigen Anwender zufriedenstellen, die sich näher mit der Steuermaterie befassen wollen.


Für alle gilt: Der Preis ist niedrig
Gemeinsam ist allen Programmen ein vergleichsweise niedriger Preis: Während ansonsten etwa eine leistungsfähige Buchhaltungsoftware schnell einige hundert bis einige tausend DM kostet, sind für ein Einkommensteuerprogramm oft weniger als 100 DM zu zahlen. Es geht sogar noch wesentlich billiger: Bereits für weniger als 30 DM werden Programme offeriert, die durchaus ihren Zweck erfüllen. Hierzu zählt etwa der für 29,80 DM angebotene "Elektronische Konz ’95" aus dem Rossipaul-Verlag.
Gerade die neue Generation der Steuerprogramme zeigt deutlich: Die Qualität wurde in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Mußte man früher noch davon ausgehen, daß lediglich Standardfälle mit der Software bearbeitet und zuverlässig ausgewertet werden können, kann heute auch bei komplizierteren Vorgängen – etwa den steuerlichen Konsequenzen einer vermieteten Immobilie – von weitgehend treffsicheren Zahlen ausgegangen werden. Absolute Zuverlässigkeit oder gar eine Garantie wird der Anwender jedoch vergeblich suchen: Kein Hersteller bürgt für die Qualität seines Programms. Insbesondere bei sehr komplexen Sonderfällen scheitert manche Software an der Breite der analysierten Daten.
Unterschiedlich ist auch der Funktionsumfang der angebotenen Programme. Viele Software-Produkte beschränken sich auf ein standardmäßiges Abfragen der in den Formularen benötigten Daten. In einigen Fällen wird sogar das amtliche Steuerformular farbecht am Monitor dargestellt. Andere Programme sind jedoch so gegliedert, daß der Anwender möglichst wenig vom "Steuerdschungel" mitbekommt. In diesem Fall werden die Daten nach logischen Zusammenhängen abgefragt und erst bei der Auswertung dann in die steuerlich richtige Form umgeschrieben.
Zum Standard jedes guten Einkommensteuerprogramms zählen Hilfstexte, die dem Anwender nicht nur die technische Bedienung erleichtern, sondern die auch steuerliches Hintergrundwissen vermitteln. Daneben ermöglichen knapp die Hälfte der angebotenen Programme das Drucken in die amtlichen Formulare, wobei hier jedoch Vorsicht geboten erscheint: Da nahezu jeder Drucker mit anderen Steuercodes arbeitet, sind bei einigen Programmen Fehlversuche vorprogrammiert. Zudem kann nicht jeder Drucker das dünne Papier der amtlichen Formulare problemlos verarbeiten, weshalb es zu unliebsamen Papierstaus kommen kann.


Gutes Ergebnis
Die eigentlichen Auswertungen erfolgen bei den meisten Programmen weitgehend analog zum amtlichen Steuerbescheid. Die Ergebnisse sind vielfach verblüffend: So werden etwa beim Programm "TK Software Steuer 1995" auch die Erläuterungen der Finanzbehörde in amtlicher Form ausgedruckt, so daß der Anwender bereits unmittelbar nach Eingabe aller Daten seinen eigenen Steuerbescheid in Händen hält.
Dies ist auch der bedeutendste Vorteil von Einkommensteuerprogrammen: Einerseits werden durch die Abfrage aller relevanten Daten kaum Informationen vergessen – ein Problem, unter dem in erster Linie Steuerberater zu leiden haben. Andererseits kann der Anwender auf einen Blick erfahren, ob er mit einer Nachzahlung oder einer Erstattung zu rechnen hat. Und schließlich sind meist auch näherungsweise "Was-wäre-wenn"-Analysen möglich, bei denen der Anwender für das laufende Jahr mit veränderbaren Planzahlen arbeitet. Eines erscheint jedoch sicher: Je komplizierter der Steuerfall, um so unverzichtbarer bleibt auch künftig der Steuerberater. Während die Software lediglich Zahlenmaterial analysieren kann, wird der Steuerberater auf mögliche steuerliche Schlupflöcher hinweisen, die die Software selbständig kaum erkennen kann. Peter Jobst

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