ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2014Vereinbarung zu Kooperationsverträgen: Mehr Geld für Arztbesuche im Heim

POLITIK

Vereinbarung zu Kooperationsverträgen: Mehr Geld für Arztbesuche im Heim

Dtsch Arztebl 2014; 111(10): A-386 / B-336 / C-320

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Eine gute ärztliche Versorgung im Pflegeheim kann unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden. Foto: picture alliance/Frank May für Deutsches Ärzteblatt
Eine gute ärztliche Versorgung im Pflegeheim kann unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden. Foto: picture alliance/Frank May für Deutsches Ärzteblatt

Künftig können Ärzte für die Versorgung von Pflegeheimbewohnern extrabudgetäre Zuschläge erhalten. Voraussetzung sind Kooperationsverträge mit Pflegeheimen. Die Anforderungen an solche Verträge haben nun Kassenärztliche Bundesvereinigung und Krankenkassen festgelegt.

Die ärztliche Versorgung in Pflegeheimen ist nicht immer optimal. Daran haben auch bisherige gesetzliche Regelungen nicht viel geändert – obwohl sie Kooperationen zwischen Ärzten und Heimen fördern sollen und sogar die Anstellung von Heimärzten ermöglichen. Dabei zeigen Modellprojekte wie „Die Pflege mit dem Plus“ in Berlin: Durch regelmäßige Visiten und eine Rufbereitschaft können unnötige und für die Heimbewohner belastende Klinikeinweisungen verhindert werden.

Anzeige

Ärzte und Pflegeheime sollen besser kooperieren

Vertragsärzte und die Mitarbeiter in den Heimen sollen in der Versorgung stärker an einem Strang ziehen. Dieser Meinung war auch der Deutsche Bundestag, als er 2012 das Pflegeneuausrichtungsgesetz verabschiedete. An die Vertragsparteien des Bundesmantelvertrages – Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) – erging folgender Auftrag: Sie sollten Anforderungen an eine kooperative ärztliche und pflegerische Versorgung erarbeiten. Die Vereinbarung liegt nun vor und gilt seit Anfang 2014. Grundlage ist § 119 b Absatz 2 SGB V.

Ziel der Vereinbarung ist es in erster Linie, überflüssige Einsätze des Rettungsdienstes und Kranken­haus­auf­enthalte zu vermeiden. Die Arzneimitteltherapie der alten Menschen soll koordiniert und Nebenwirkungen sollen reduziert werden. Die Kommunikation von Ärzten und Heimmitarbeitern soll sich verbessern, die Pflegeeinrichtungen einen festen Ansprechpartner haben. Dabei spielen die Hausärzte eine zentrale Rolle. Sie sollen die Versorgung koordinieren, Fachärzte einbinden und die Abstimmung mit den Heimen übernehmen.

Die kooperierenden Vertragsärzte oder Ärztenetze sollen eine „bedarfsgerechte ärztliche Präsenz“ und eine telefonische Erreichbarkeit gewährleisten. Sie führen in Abstimmung mit der Pflegeeinrichtung regelmäßig Visiten durch. Nach 22 Uhr und an Wochenenden kann der ärztliche Bereitschaftsdienst einbezogen werden. Die neue Vereinbarung gehört als Anlage 27 zum Bundesmantelvertrag.

Ärzte, die einen Kooperationsvertrag mit einem Pflegeheim abschließen und dabei die Kriterien von KBV und GKV-Spitzenverband erfüllen, erhalten für die ärztliche Versorgung Zuschläge – außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung. Damit die Zuschläge gezahlt werden, bedarf es aber einer weiteren Vereinbarung – zwischen der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und dem Landesverband der Krankenkassen. Finanzielle Anreize für die Heime sind nicht vorgesehen.

Zahlungsbereitschaft der Kassen als wichtiger Faktor

„Entscheidend für den Erfolg der Vereinbarung wird die Bereitschaft der Krankenkassen sein, in die Versorgung von Patienten in Pflegeheimen zu investieren“, sagte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann. Zugleich versicherte sie: „Die Kassenärztlichen Vereinigungen werden ihre Vermittlungsfunktion zwischen Vertragsarzt und Pflegeeinrichtung weiter ausbauen.“

Welche Rolle die neue Vereinbarung in der Versorgung tatsächlich spielen wird, ist offen. Bisherige Projekte funktionieren auf anderer Grundlage, etwa in Berlin nach § 73 c SGB V. Die KV Berlin teilte mit, man sei mit dem derzeitigen Vertrag zufrieden. Es gebe keine Überlegungen, ihn umzustellen.

Unterdessen fühlen sich die Heime nicht ausreichend eingebunden. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) erklärte auf Anfrage, es seien in der Vergangenheit sowohl mit der Bundes­ärzte­kammer als auch mit den KVen überzeugende Vorgaben für eine verbindliche Kooperation erarbeitet worden. „Nun sollen Verbesserungen der Versorgung offenbar durch vertragliche Vorgaben ohne direkte Beteiligung der Pflegeheime bewirkt werden“, kritisierte bpa-Geschäftsführer Herbert Mauel.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Die Vereinbarung von KBV und GKV-Spitzenverband im Internet: www.aerzteblatt.de/14386

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema