ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2014Andreas Gassen: „Wir brauchen ein geeintes KV-System“

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Andreas Gassen: „Wir brauchen ein geeintes KV-System“

Dtsch Arztebl 2014; 111(10): A-379 / B-329 / C-313

Korzilius, Heike

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Einarbeitungszeit: Andreas Gassen wechselt aus der Praxis in die Verwaltung. In vieles wird er sich noch tiefer einarbeiten müssen. Manche im KV-System besorgt das, andere erhoffen sich einen neuen Führungsstil. Foto: Georg J. Lopata
Einarbeitungszeit: Andreas Gassen wechselt aus der Praxis in die Verwaltung. In vieles wird er sich noch tiefer einarbeiten müssen. Manche im KV-System besorgt das, andere erhoffen sich einen neuen Führungsstil. Foto: Georg J. Lopata

Rhetorisch geschickt, verbindlich im Ton, pragmatisch in der Sache: So präsentierte sich der neue Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) nach seiner Wahl. Diese Eigenschaften kann er brauchen in einem Haus, das durch interne Konflikte belastet ist.

Mit Dr. med. Andreas Gassen (51) rückt ein überzeugter Anhänger des Systems der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den KBV-Vorstand auf. Deshalb kündigt er an, als er sich der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung zur Wahl stellt, seine Posten als Präsident des Berufsverbands der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie und als Vorsitzender des Spitzenverbands der Fachärzte Deutschlands (SpiFa) aufzugeben. Denn „die rein verbandliche Arbeit“ höre an exponierter Stelle im KV-System auf.

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Sein Statement zielt auch auf jene ab, die in den vergangenen Monaten versucht haben, die Körperschaft zur Durchsetzung von Verbandsinteressen zu nutzen und damit den Konflikt zwischen Haus- und Fachärzten befeuert haben. Gassen hält das für desaströs. „Wir brauchen ein geeintes KV-System.“ Denn eine gespaltene Ärzteschaft verliere ihre politische Schlagkraft.

Der Orthopäde engagiert sich seit Jahren in der Berufspolitik: Seit 2006 ist er Mitglied der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der KV Nordrhein und seit 2011 stellvertretender Vorsitzender der KBV-VV. Im Oktober 2013 wurde er zum Präsidenten seines Berufsverbands gewählt, im März zum Vorsitzenden des SpiFa. Im Grunde sei Unzufriedenheit der Auslöser für sein berufspolitisches Engagement gewesen, sagt Gassen. Letztlich habe ihn insbesondere der Ärger über Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) in die Berufspolitik getrieben. Deren Politik habe wesentlich dazu beigetragen, das Gesundheitssystem überzuregulieren und die Selbstverwaltung zu schwächen: „Ich hatte das Bedürfnis, wenigstens zu versuchen, etwas zu ändern.“ Denn er lasse sich ungern komplett verwalten und fremdbestimmen.

Gassen hat fast acht Jahre lang im Krankenhaus gearbeitet – zunächst ein Jahr lang in Duisburg und danach in Düsseldorf –, bevor er sich 1996 entschloss, sich gemeinsam mit einem Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis in der Düsseldorfer Innenstadt niederzulassen. Die Praxis betreiben sie inzwischen zu viert.

„Ich hatte eigentlich eine Klinikkarriere im Auge“, sagt Gassen. Erfahrungen im Ausland, unter anderem in den USA, in Saudi-Arabien oder auch in Belgien hätten ihn aber angeregt, über eine Niederlassung nachzudenken. Denn im Ausland habe schon in den 1990er Jahren das minimal-invasive Operieren, Gassens Schwerpunkt, überwiegend im ambulanten Bereich stattgefunden. „Ich fand es interessant, den Patienten sozusagen in Eigenregie eine Kombination aus konservativer und operativer Behandlung anzubieten, also Versorgung aus einer Hand“, sagt der neue KBV-Vorstand.

Dass er jetzt aus der Praxis in den Verwaltungssessel wechselt, empfindet Gassen als neue Herausforderung – wobei ihm die Bezeichnung Manager besser gefällt, „denn ich will ja was gestalten“. Wehmütig mache ihn der Wechsel nicht. Er sei jetzt seit 26 Jahren approbiert und habe um die 20 000 Operationen durchgeführt: „Da kann man jetzt auch mal was anderes machen.“ Auch den Wechsel vom Rhein an die Spree sieht er gelassen: „Ich bin gebürtiger Kölner und lebe in Düsseldorf. Das fordert ja schon eine gewisse Anpassungsfähigkeit.“ Der Berliner Menschenschlag liege ihm, sagt Gassen. Der erinnere ihn an seine Zeit in Duisburg. Damals herrschten dort die Stahlkrise und hohe Arbeitslosigkeit. „Der Ton war schon rustikal, aber die Leute waren immer geradeheraus. Das kann ich gut leiden.“

Heike Korzilius

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