ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2014117. Deutscher Ärztetag vom 27. bis 30. Mai 2014 in Düsseldorf: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

POLITIK

117. Deutscher Ärztetag vom 27. bis 30. Mai 2014 in Düsseldorf: Öffentliche Einladung an die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland

Dtsch Arztebl 2014; 111(10): A-382 / B-332 / C-316

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Das Rheinpanorama von Düsseldorf. Fotos (2): Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH
Das Rheinpanorama von Düsseldorf. Fotos (2): Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn der Deutsche Ärztetag vom 27. bis zum 30. Mai 2014 in Düsseldorf zusammenkommt, dürfte die Gesundheitspolitik der neuen Bundesregierung allmählich Fahrt aufgenommen haben. Insbesondere beim Thema Qualitätssicherung drückt die große Koalition aufs Tempo. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat einen ersten Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem die rechtlichen Grundlagen für die Gründung eines wissenschaftlichen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen beinhaltet. Das Institut soll sich wissenschaftlich mit der Ermittlung und Weiterentwicklung der Versorgungsqualität befassen und dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) Entscheidungsgrundlagen für Maßnahmen der Qualitätssicherung liefern. Mit der Institutsgründung werden zudem wichtige Vorarbeiten für die geplante Strukturreform im stationären Sektor geleistet. Zur Erinnerung: Nach dem Koalitionsvertrag soll der Medizinische Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung künftig unangemeldet Kontrollen in den Kliniken vornehmen können, um die Einhaltung der G-BA-Qualitätsvorgaben zu überprüfen. Qualitätsdaten fließen auch in die Bemessung der Klinikbudgets mit ein, für die Zu- und Abschläge bei nachgewiesen guter oder schlechter Qualität vorgesehen sind. Und auch bei der Krankenhausplanung wird die Qualität als weiteres Kriterium mit einbezogen.

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In der Tonhalle Düsseldorf findet die Eröffnungsveranstaltung des 117. Deutschen Ärztetages statt. Foto rechts: Blick in das Innere des großen Konzerthauses.
In der Tonhalle Düsseldorf findet die Eröffnungs­veranstaltung des 117. Deutschen Ärztetages statt. Foto rechts: Blick in das Innere des großen Konzerthauses.

Unstrittig ist, dass wir statt Preiswettbewerb mehr Wettbewerb um gute Qualität brauchen. Wenn aber das System diejenigen belohnen soll, die sich um eine optimale Patientenversorgung bemühen, brauchen wir Instrumente, Methoden und Standards für den Qualitätswettbewerb, die strikt patientenorientiert, weitgehend frei von wirtschaftlichen Interessen und unter Einbeziehung der Expertise der im Gesundheitswesen tätigen Professionen entwickelt werden. Umso wichtiger ist es, dass die Unabhängigkeit und Wissenschaftlichkeit des neu zu gründenden Instituts gesichert ist. Vor diesem Hintergrund ist positiv, dass in die Arbeit des Instituts nach dem Referentenentwurf externer Sachverstand einfließen soll. Um diesem Ansinnen Nachdruck zu verleihen, sollte auch der Deutsche Ärztetag in Düsseldorf deutlich artikulieren, dass die Qualitätssicherung des eigenen Handelns seit jeher zum professionellen Selbstverständnis der Ärzteschaft zählt.

So wichtig es ist, dass die Bundesregierung dem Stellenwert der Qualität im Gesundheitswesen verstärkt Aufmerksamkeit schenkt, gehören weitere Punkte, wie die künftige Finanzierung des dualen Kran­ken­ver­siche­rungssystems und die Bekämpfung des Fachkräftemangels, auf die Reformagenda. Der Bund muss zudem dazu beitragen, dass der Investitionsstau in unseren Kliniken abgebaut wird. Wir brauchen ein klares Bekenntnis der Politik zu einer grundsätzlichen Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung, und wir müssen uns verstärkt um den ärztlichen Nachwuchs kümmern. Ganz wichtig ist auch, dass die Koalitionäre ihre Pläne für die gesetzliche Erzwingung der Tarifeinheit in Betrieben begraben. Denn arztspezifische Tarifverträge verbessern die Arbeitsbedingungen für angestellte Ärztinnen und Ärzte und tragen mit dazu bei, dass diese der kurativen Medizin in Deutschland erhalten bleiben.

Foto: B. Litjes
Foto: B. Litjes

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Deutsche Ärztetag in Düsseldorf – davon bin ich überzeugt – wird die Schwachstellen in unserem Gesundheitswesen analysieren, Lösungsvorschläge artikulieren und so die ärztliche Expertise in die politische Debatte mit einbringen. Dies gilt auch und gerade für die Schwerpunktthemen des diesjährigen Ärztetages. Wir werden unter anderem den Stellenwert der Krankheitsvorbeugung beraten. Die Koalition will noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Prävention verabschieden. Wir wollen uns intensiv in die Gesetzgebung einbringen und unter anderem bewirken, dass Ärztinnen und Ärzte als Berater und Begleiter ihrer Patienten auch bei Fragen der gesundheitlichen Vorsorge durch ein Präventionsgesetz gestärkt werden. Zu diesem Thema passt, dass sich der Ärztetag in einem weiteren Tagesordnungspunkt mit den Herausforderungen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) befassen wird. Neben der ambulanten und stationären Versorgung kommt dem öffentlichen Gesundheitsdienst als „dritter Säule“ des Gesundheitswesens mit seinen vorrangigen Aufgaben im Bereich der Prävention, der Bevölkerungsmedizin und der Gesund­heits­förder­ung ein besonderer Stellenwert zu. Dennoch findet der ÖGD in der politischen und öffentlichen Diskussion wenig Beachtung. Das wollen wir in Düsseldorf ändern und gleichermaßen Probleme und Perspektiven des öffentlichen Gesundheitsdienstes diskutieren. Und wir werden uns intensiv mit der Versorgung schmerzkranker Menschen befassen. Es ist gut, dass die Schmerzmedizin als Querschnittsfach in der ärztlichen Approbationsordnung verankert wurde und die Krankheit als „chronischer Schmerz“ im morbiditätsbezogenen Risiko­struk­tur­aus­gleich abgebildet wird. Weitere Schritte sind jedoch notwendig. Unter anderem brauchen wir eine adäquate Versorgungsstruktur für chronisch schmerzkranke Patienten in interdisziplinären und multiprofessionellen Teams. Wir müssen die Akutschmerztherapie in den Kliniken stärken und ein strukturiertes Schmerzmanagement in den Qualitätsmanagementsystemen der Krankenhäuser installieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, vor uns liegt ein spannender und thematisch vielfältiger Ärztetag. Dennoch hoffe ich, dass Sie am Rande der Plenarsitzungen ein wenig Zeit finden, Düsseldorf zu entdecken. Flanieren Sie durch die engen Gassen der Düsseldorfer Altstadt, oder lassen Sie nach einem anstrengenden Sitzungstag an der Rheinuferpromenade die Seele baumeln. Erholung und Zerstreuung finden Sie sicher auch auf Schloss Benrath mit seinem weitläufigen Park und dem dortigen Museum für Europäische Gartenkunst.

Wenn neben den Delegierten und den Vertreterinnen und Vertretern ärztlicher Organisationen und Verbände möglichst viele Ärztinnen und Ärzte aus allen Regionen Deutschlands am 117. Deutschen Ärztetag in Düsseldorf teilnehmen können, würde mich das sehr freuen.

In diesem Sinne die besten Wünsche und einen herzlichen Gruß

Ihr

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery

Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages

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