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Seit mit dem Urteil des Landgerichtes Köln im Mai 2012 die Problematik der Beschneidung in das Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde, bildeten sich zwei Lager mit extrem unterschiedlichen Ansichten. Das eine Lager beruft sich auf historisch angeblich unumstößliche Riten, dass nämlich die Beschneidung von Knaben bis zum achten Tag seit Moses` Zeiten vorgeschrieben sei. Ohne dieses Beschneidungsritual würde – so ein maßgeblicher Rabbiner in einer Fernsehschau mit Maybrit Illner – das Judentum untergehen.

Dass dies nicht so ist, beweisen die mehreren 100 000 aus der Sowjetunion ausgesiedelten nicht beschnittenen Juden. Sie waren nicht beschnitten, da dort die Beschneidung untersagt war . . .

Zum gleichen Lager der Beschneidungsbefürworter gehörten Muslime, obgleich hier viel kompromissbereitere Töne zu hören waren, zumal im Islam nicht eine Beschneidung im Babyalter gefordert wird.

Das andere Lager sieht im Vordergrund den Schutz der Menschenrechte jeder Person, der besonders dann zu wahren ist, wenn die betreffende Person (noch) nicht einwilligungsfähig und urteilsfähig ist.

Bis zum Zeitpunkt der Erreichung der Einwilligungsfähigkeit dürfen medizinische Eingriffe nur unternommen werden, wenn sie der Förderung und oder Erhaltung der Gesundheit dienen.

Als angemessener Zeitpunkt in dieser Frage wird aus gutem Grund das Alter um das 14. Lebensjahr genannt.

Ein zweiter Grund für die Absage der Beschneidung von Knaben im Baby- und Kindesalter ist die auch im Grundgesetz verankerte rechtliche Gleichberechtigung beider Geschlechter.

Bei Mädchen ist die Beschneidung anerkanntermaßen gesetzlich untersagt. Da das Grundgesetz eine rechtliche Gleichstellung der Geschlechter festlegt, ist schon aus diesem Grund eine Beschneidung bei Knaben vor Erreichen der Einwilligungs- und Urteilsfähigkeit nicht zulässig.

Ein dritter sehr einleuchtender Grund ist die kindliche Entwicklung bei Knaben im Genitalbereich. Sofern nicht am Genital herummanipuliert wird, ist die Vorhaut mit der Eichel so sehr verklebt, dass eine Trennung nur unter Schmerzen für das Kind möglich ist. Die Verklebung hat einen guten Grund, vermeidet sie doch das Eindringen von Infektionen zwischen Vorhaut und Eichel.

Das am 12. Dezember in aller Eile beschlossene Gesetz, das nunmehr sogar Nichtärzten juristisch die Beschneidung von Knaben bis zu sechs Monaten gestattet, verstößt also in mehrfacher Hinsicht gegen die Rechtsprinzipien unseres Staates. Wer kann denn wirklich glauben, dass Jehova oder Allah einen gläubigen Menschen zurückweisen würde, wenn er erst im 14. Lebensjahr beschnitten wurde? . . .

Als Arzt und Bundesbürger stehe ich natürlich im zweiten Lager und hoffe, dass sich die einzelnen Organisationen und Personen dieses Lagers zu einem eindeutigen Aufruf gegebenenfalls einer Petition an den Bundestag aufraffen können.

Dr. med. Albrecht Pitzken, 51429 Bergisch Gladbach

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