ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2014Prophylaxe des postthrombotischen Syndroms: Der Nutzen von Kompressionsstrümpfen ist fraglich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prophylaxe des postthrombotischen Syndroms: Der Nutzen von Kompressionsstrümpfen ist fraglich

Dtsch Arztebl 2014; 111(10): A-402 / B-349 / C-333

Meyer, Rüdiger

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Bei 25 bis 50 Prozent aller Patienten kommt es in den Monaten nach einer tiefen Venenthrombose zu einem postthrombotischen Syndrom (PTS) mit Schmerzen und Schwellung des betroffenen Beins. Die Kompressionstherapie ist eine plausible Therapie, da sie Ödeme reduziert und eine venöse Stauung verhindert.

Ob Kompressionsstrümpfe die Entwicklung eines postthrombotischen Syndroms bei tiefen Venenthrombosen verhindern, ist erstmals in einer randomisierten, „Placebo“-kontrollierten Studie in Kanada und den USA untersucht worden. 806 Patienten, die das erste Mal Symptome einer proximalen tiefen Venenthrombose hatten (mit oder ohne distale tiefe Venenthrombose oder pulmonale Embolie) wurden 1 : 1 randomisiert mit optisch gleichen Kompressionsstrümpfen versorgt: die Aktive-Therapie-Gruppe mit solchen, die einen Druck von 30 bis 40 mm Hg erzeugten, die Kontrollen mit Strümpfen, die einen Druck von < 5 mm Hg hervorrufen, was als nicht wirksam gilt.

Primärer Endpunkt war ein PTS binnen 6 Monaten nach Beginn der Anwendung oder später, beurteilt nach den Ginsberg-Kriterien (Schmerzen und Schwellung im Bein für mindestens einen Monat). Die kumulative Inzidenz für ein postthrombotisches Syndrom betrug 14,2 % nach 2 Jahren in der Gruppe der aktiv Behandelten und 12,7 % in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio 1,13; 95-%-Konfidenzintervall 0,73–1,76; p = 0,58). Der Unterschied war also nicht signifikant. Auch auf der weniger strikten Villalta-Skala, die fünf Symptome – außer Schmerz zum Beispiel auch Juckreiz und Krämpfe – und sechs Krankheitszeichen wie Ödeme, Hyperpigmentierung, Hautindurationen bewertet, gab es keine signifikanten Unterschiede. Hier erfüllten nach zwei Jahren in beiden Gruppen etwa die Hälfte der Patienten das Kriterium eines PTS.

Fazit: In einer randomisierten „Placebo“-kontrollierten Studie zur Frage, ob Kompressionsstrümpfe bei erstmals symptomatischer tiefer Venenthrombose dem PTS vorbeugen, gab es keinen signifikanten Effekt im Vergleich zur Kontrollgruppe. Eine Routineanwendung sei durch diese Daten nicht gestützt, so die Autoren. Die aktuellen Ergebnisse stellen die von zwei früheren randomisierten Studien infrage, in denen die Kompressionsstrümpfe durchaus eine positive Wirkung hatten. Beide Studien waren jedoch nicht Placebo-kontrolliert. Rüdiger Meyer

Kahn SR, Shapiro S, Wells PS, et al.: Compression stockings to prevent post-thrombotic syndrome: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2013; doi: 10.1016/S0140–6736(13)61902–9

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