ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2014Essstörungen: Stärkere Vernetzung

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Essstörungen: Stärkere Vernetzung

Dtsch Arztebl 2014; 111(10): A-385 / B-335 / C-319

Richter, Felicitas

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Ein Info-Flyer für Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte soll helfen, die Behandlungspfade für junge Patienten mit Essstörungen zu optimieren.

Essstörungen zählen zu den lebensbedrohlichen und schwerwiegenden psychosomatischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Anorexie, Bulimie und Binge-eating-Störung können tiefgreifend die körperliche und psychische Gesundheit schädigen und zu Entwicklungsverzögerungen führen. Nicht selten zeigen sich langwierige Krankheitsverläufe mit Rezidiven und somatischer oder psychischer Komorbidität. Zudem besteht eine hohe Chronifizierungs- und Mortalitätsrate. Bereits 21,9 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen weisen nach dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey des Robert-Koch-Instituts Symptome einer Essstörung auf. Für manifeste Essstörungen betragen die Lebenszeitprävalenzen laut Studien zusammengenommen etwa fünf Prozent.

Schnittstellenverluste

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Durch lange Wartezeiten auf spezialisierte Therapieangebote, Schnittstellenverluste zwischen ambulantem und stationärem Sektor und mangelnde Früherkennung dauert es meist jedoch mehrere Jahre, bis Betroffene in adäquate Behandlung kommen. Dabei könnte eine frühzeitige und umfassende Versorgung der Patienten mit Essstörungen die Heilungschancen entscheidend verbessern und stationäre Aufnahmen und Chronifizierungen rechtzeitig verhindern. Hausärzte und Fachärzte der Kinder- und Jugendmedizin sind oftmals die ersten Ansprechpartner für Betroffene oder deren Angehörige. Sie spielen somit eine wichtige Rolle in der Früherkennung und Einleitung von weiteren Versorgungsangeboten.

Mit Unterstützung des Expertengremiums Essstörungen der Initiative „Leben hat Gewicht“ am Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wurde ein Flyer für niedergelassene Ärzte der Grundversorgung entwickelt. Grundlage dafür ist die vom Expertengremium erarbeitete Broschüre „Empfehlungen zur Integrierten Versorgung bei Essstörungen in Deutschland“ (www.bzga.de/infomaterialien/fachpublikationen/konzepte/band-4), die 2012 von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben wurde.

Kooperation gefordert

Der Flyer „Essstörungen kompetent und multiprofessionell behandeln“ gibt kompakte Informationen zum Behandlungspfad bei Essstörungen sowie zu weiterführenden Portalen. Neben der Behandlung gewährleisten auch zahlreiche Angebote der Beratung und Nachsorge (zum Beispiel therapeutische Wohngruppen) eine kontinuierliche Versorgung sowie eine Überbrückung von Wartezeiten auf Behandlung.

Eine angestrebte lückenlose Betreuung gelingt nur durch fachdisziplinübergreifende Kooperation und Kommunikation der an der Versorgung von Essstörungen beteiligten Berufsgruppen. Eine stärkere Vernetzung ermöglicht die Umsetzung eines multimodalen Behandlungskonzepts auf Basis aktueller Leitlinien. Dies garantiert nicht nur eine Steigerung der Qualität in der Versorgung und eine höhere Zufriedenheit bei Patientinnen und Patienten, sondern auch Vorteile für die niedergelassenen Ärzte.

Felicitas Richter, M. Sc. Psych.
Universitätsklinikum Jena, Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie

Der Flyer „Essstörungen kompetent und multiprofessionell behandeln“ kann kostenfrei angefordert werden: Bestell-Nr.: BMG-V-10020, publikationen@bundesregierung.de, Telefon: 03018 2722721 (kostenfrei), Fax: 03018 10 2722721

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