ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Testament: Korrekte Form hilft Steuern sparen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Testament: Korrekte Form hilft Steuern sparen

Büser, Wolfgang

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LNSLNS Entspricht ein Testament nicht exakt den Formvorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs, so kann das fatale Folgen für die an sich vorgesehenen Erben haben. Wird der Letzte Wille beispielsweise mit der Schreibmaschine geschrieben und lediglich unterschrieben, so ist er – wenn es sich nicht um ein notarielles Testament handelt – erbrechtlich unwirksam. Damit gilt automatisch das gesetzliche Erbrecht, und das muß mit dem Willen der/des Verstorbenen durch-aus nicht übereinstimmen. Aber für eine Korrektur ist es zu spät.

Wille des Toten zählt
Bei der Berechnung der Erbschaftsteuer gilt jedoch: Auch ein "formrichtiges" Testament kann Steuern sparen helfen. Bedingung: Die Hinterlassenschaft wird so unter den Erben aufgeteilt, wie es dem Willen der/des Verstorbenen entsprach. Das Finanzamt darf dann nicht argumentieren, daß das Testament an sich unwirksam ist. Beispiel: Ein Verstorbener hatte seinem Bruder 150 000 DM hinterlassen. 60 000 DM davon sollte – so hatte er kurz vor seinem Tod mündlich verfügt – die Mutter der beiden bekommen. Ins Testament aufgenommen wurde dieser Zusatz aber nicht. Der Bruder erfüllte den Auftrag dennoch und gab der Mutter 60 000 DM. Das Finanzamt berechnete an Erbschaftsteuer 23 800 DM. Der für hinterbliebene Geschwister maßgebende Freibetrag liegt bei 10 000 DM. Die restlichen 140 000 DM wurden mit 17 Prozent besteuert. Die Mutter mußte auf die an sie weitergeleiteten 60 000 DM schließlich noch Schenkungsteuer in Höhe von 600 DM zahlen, das sind 6 Prozent von 10 000 DM. Für sie gilt im Verhältnis zu den Kindern ein Freibetrag von 50 000 DM.
Kann – wie in diesem Fall – nachgewiesen werden (zum Beispiel durch Zeugen), daß der verstorbene Sohn und Bruder die Aufteilung gewollt hat, so muß das Finanzamt folgen, wenn der Letzte Wille ausgeführt wird. Das hatte zur Folge: Der Bruder versteuerte 80 000 (statt 140 000) DM und zahlte nur 14 Prozent gleich 11 200 DM Erbschaftsteuer. Die Mutter versteuerte unverändert 10 000 DM. Die Ersparnis betrug 12 600 DM. Wichtig ist: Dem Finanzamt müssen die Fakten vor der Veranlagung zur Erbschaftsteuer mitgeteilt und nachgewiesen werden. Der Nachweis ist natürlich am leichtesten zu führen, wenn ein entsprechendes Schriftstück des Erblassers vorliegt. Zeugenaussagen genügen aber auch.
Allerdings – so entschied schon vor Jahren der Bundesfinanzhof – muß im konkreten Fall das "ernstliche Verlangen" (und nicht nur eine vage Andeutung) des Erblassers vorgelegen haben, so zu verfahren, wie es die Erben schließlich getan haben, ohne dazu (rechtlich) verpflichtet zu sein. (Aktenzeichen: II 120/ 64)
Wolfgang Büser

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