ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2014Psychotherapeutische Vergütung: Nicht angemessen

EDITORIAL

Psychotherapeutische Vergütung: Nicht angemessen

PP 13, Ausgabe März 2014, Seite 97

Bühring, Petra

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Fast scheint es, als hätten sich Psychotherapeuten damit abgefunden. Jedenfalls erfolgte kein Aufschrei mehr, als der jüngste Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das vierte Quartal 2012 erneut große Einkommensunterschiede zwischen somatisch tätigen Ärzten und Psychologischen sowie ärztlichen Psychotherapeuten auswies: Beträgt der durchschnittliche Praxisüberschuss aus der Versorgung gesetzlich Krankenversicherter je Arzt/Psychotherapeut insgesamt 26 323 Euro im vierten Quartal 2012, sind es für eine psychotherapeutische Praxis im Durchschnitt nur 12 962  Euro. Der Gewinn vieler Arztpraxen liegt noch höher, schon weil in ihrer Zahl die Überschüsse der Psychotherapeuten mit eingerechnet sind. Die Psychiater liegen mit 20 130 Euro Überschuss irgendwo dazwischen. Der Honorarbericht der KBV weist nur den Jahresdurchschnitt der Honorarumsätze aus, nicht aber die Überschüsse oder Gewinne für das Jahr. Rechnet man die Quartalszahl jedoch auf das ganze Jahr hoch, kommt man zu ähnlichen Ergebnissen wie für 2011: Bei vergleichbarer Arbeitszeit liegen die Überschüsse der Psychotherapeuten im Durchschnitt bei weniger als der Hälfte derjenigen von Ärzten.

Der Honorarexperte der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, Dieter Best, weist zudem darauf hin, dass Psychotherapeuten nicht von den jährlichen Erhöhungen der Gesamtvergütung profitieren, da bei ihnen allein der Umsatz pro Zeiteinheit und nicht die zugestandene Leistungsmenge für das Einkommen maßgeblich ist. Seit 2009 hätten sich die Honorare lediglich um zwei Prozent erhöht, was nicht einmal die Inflation ausgleiche. Dass eine Neubewertung der psychotherapeutischen Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) dringend notwendig ist, liegt auf der Hand. Denn nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts muss ein Psychotherapeut eine angemessene Vergütung je Zeiteinheit erhalten; angemessen in dem Sinne, dass mit maximalem Einsatz wenigstens der Durchschnitt des Einkommens der Fachärzte erreicht werden kann.

Die Honorarberichte der KBV, die erst seit Juli 2012 veröffentlicht werden, haben auch

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ein Gutes: Die Unverhältnismäßigkeit der Honorarverteilung wurde offensichtlich. Inzwischen machen sich ebenfalls die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) für eine bessere Vergütung der Psychotherapeuten stark. So hat aktuell die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KV Rheinland-Pfalz den Vorstand aufgefordert, sich bei der KBV dafür einzusetzen, dass bei der Reform des EBM eine Neubewertung der psychotherapeutischen Leistungen vorgenommen wird. Ähnliche Beschlüsse gibt es ebenso von den KVen Bayerns, Bremen, Hamburg, Nordrhein und Westfalen-Lippe. Außerdem hat der Erweiterte Bewertungsausschuss bekanntgegeben, bis zum 30. Juni diesen Jahres zu überprüfen, ob die Höhe der Bewertung der antragspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen entsprechend der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts noch angemessen ist (siehe PP 2/2014, Seite 92). Zuletzt sei die Angemessenheit der Höhe der Honorare für 2008 überprüft worden.

Ein wenig lauter dürfte die Empörung über die niedrigen Einkommen schon sein.

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