ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2014Psychische Erkrankungen: Wissen für die Versorgung

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Psychische Erkrankungen: Wissen für die Versorgung

PP 13, Ausgabe März 2014, Seite 103

Bühring, Petra

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Die Bundesregierung fördert die Erforschung von psychischen Erkrankungen mit neun deutschlandweiten Forschungsverbünden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ein neues Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen. „Psychische Erkrankungen zählen zu den Volkskrankheiten, gegen die wir mit unserem Rahmenprogramm Gesundheitsforschung angehen wollen“, sagte Bun­des­for­schungs­minis­terin Prof. Dr. Johanna Wanka. „Mit dem neuen Forschungsnetz setzen wir wichtige Akzente zur Erforschung psychischer Erkrankungen. Wissenschaftler aus ganz Deutschland werden gemeinsam daran arbeiten, diese Krankheiten besser zu verstehen. Aus diesem Wissen sollen neue und wirksamere Therapien entstehen“, sagte Wanka. Ziel sei es, Ergebnisse aus der Forschung schneller für die Patienten nutzbar zu machen.

„Wir haben eine große Chance, etwas für die Behandlung von psychischen Erkrankungen zu tun“, betonte der Sprecher des Forschungsnetzes, Prof. Dr. Andreas Meyer-Lindenberg, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim. Er selbst leitet den Forschungsverbund Schizophrenie (Kasten). Insgesamt werden 30 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an der Erforschung von Depression, Angststörungen, Sucht, Schizophrenie, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus zusammenarbeiten. So setzten sich beispielsweise ADHS und Autismus meist im Erwachsenenalter fort. Gestufte Präventions- und Behandlungsprogramme versprächen eine bessere Therapiewirkung, weshalb die Erkrankungen über die Lebensspanne erforscht werden sollen.

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Ein internationales Gutachtergremium hat die neun beteiligten Forschungsverbünde zur Förderung vorgeschlagen. Für das Forschungsnetz stellt das BMBF bis 2018 etwa 35 Millionen Euro bereit.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Dr. Doris Pfeiffer, zeigte sich „sehr erfreut“ über das neue Forschungsnetz. „Aus Sicht der Kassen ist es besonders wichtig, der Frage nachzugehen, wie man psychisch kranke Menschen durch neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten besser versorgen kann, beziehungsweise wie man durch geeignete Präventionsmaßnahmen der Erkrankung vorbeugen kann“, betonte sie.

Denn deren Bedeutung sei immens: Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen habe von 2002 bis 2012 um nahezu 67 Prozent zugenommen. Ein Krankheitsfall dauere im Schnitt zudem 35,7 Tage im Gegensatz zu 12,7 Tagen bei somatischen Erkrankungen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin schätzt die so entstandenen Produktionsausfälle zum Beispiel für das Jahr 2011 auf 46 Milliarden Euro.

Als „Schritt in die richtige Richtung“ begrüßt auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) das neue Forschungsnetz. „Allerdings müssen diese Bestrebungen auch in der Zukunft fortgesetzt werden“, forderte DGPPN-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Maier. Die zunehmende Bedeutung psychischer Erkrankungen erfordere die Bündelung der verfügbaren Kräfte in Gesundheitsforschungszentren, wie sie die Bundesregierung für die somatischen Volkskrankheiten längst ins Leben gerufen habe. „Eine nachhaltige strukturelle Förderung sollte deshalb in einem Deutschen Zentrum für psychische und psychosomatische Erkrankungen münden“, forderte Maier.

Petra Bühring

Die Forschungsverbünde

  • Depression: neue Strategien zur optimierten Behandlung (Prof. Dr. Rainer Rupprecht, Universität Regensburg)
  • Bipolare Störungen: Verbesserung der Erfassung und Versorgung
    (Prof. Dr. Michael Bauer,TU Dresden)
  • Angststörungen: effektive Versorgung und Behandlung (Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen, TU Dresden)
  • Schizophrenie: Verbesserung
    der Prävention und Genese (Prof.
    Dr. Andreas Meyer-Lindenberg,
    ZI Mannheim)
  • Suchterkrankungen: Früherkennung und Intervention über die Lebensspanne (Prof. Dr. Andreas Heinz, Charité Berlin)
  • ADHS: Evidenzbasierte stufenweise Versorgung über die Lebensspanne (Prof. Dr. Tobias Banaschewski,
    ZI Mannheim)
  • Autismus-Spektrum-Störungen über die gesamte Lebensspanne: (Priv.-Doz. Dr. Inge Kamp-Becker, Universität Marburg)
  • Psychotische Störungen: Antipsychotika-induzierte strukturelle und funktionelle Gehirnveränderungen (Prof. Dr. Frank Schneider, RWTH Aachen)
  • Krankheitsübergreifende Therapien: Gehirnstimulation bei psychischen Erkrankungen (Priv.-
    Doz. Dr. Frank Padberg, LMU München)

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