ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2014Meditation: Metaanalyse sieht Wirkung auf psychische Leiden

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Meditation: Metaanalyse sieht Wirkung auf psychische Leiden

PP 13, Ausgabe März 2014, Seite 137

Meyer, Rüdiger

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Regelmäßige Meditationen können Angstzustände und Depressionen abbauen und Schmerzen lindern. Eine Wirkung auf andere psychische Leiden ist einer Metaanalyse in „JAMA“ zufolge nicht belegt. Die meditative Versenkung gilt als Heilmittel gegen unterschiedliche Leiden der Psyche und des Körpers, doch die medizinische Evidenz zählt als schwach.

In den letzten Jahren wurden eine Reihe von randomisierten Studien durchgeführt, deren Ergebnisse Madhav Goyal von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore/USA jetzt zusammengefasst hat. Die Metaanalyse steht insgesamt noch auf schwachen Beinen. So fehlt ein Funnel-Plot (eine Prüfung auf Publikationsbias), es ist jedoch zu erkennen, was Meditationen leisten könnten und was vielleicht nicht.

Eine signifikante Wirkung ermittelte Goyal für Angstzustände, Depressionen und Schmerzen, wobei sich die Effektstärken bei Angstzuständen von 0,22 bis 0,38 und bei leichten depressiven Symptomen von 0,23 bis 0,30 laut Goyal durchaus mit der Wirkung von Antidepressiva messen lassen können. Die Effektstärke wird mit 0 bis ein Punkt angegeben, ein höherer Wert zeigt eine stärkere Wirkung an. Werte zwischen 0,2 und 0,3 werden als „gering“ eingestuft.

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Für andere Wirkungen konnte Goyal keine Belege in den untersuchten 47 randomisierten Studien mit immerhin 3 515 Teilnehmern finden. Für den Experten ist deshalb offen, ob Meditationen die Gemütslage festigen, Stress abbauen, die Lebensqualität verbessern können oder bei konkreten Problemen wie Substanzabhängigkeit, Schlafstörungen helfen oder Diäten sinnvoll unterstützen.

Goyal unterscheidet grob zwei Arten von Meditationen. Bei der ersten versuchen sich die Meditierenden vollkommen und ohne Ziel mental zu entspannen. Als Hilfsmittel dient manchmal ein Mantra, das ständig wiederholt wird. Zu dieser Meditationsform gehört die transzendentale Meditation, die in den USA weit verbreitet ist. Bei der zweiten Gruppe versuchen sich die Meditierenden auf ein Ziel zu konzentrieren, das in der Loslösung vom eigenen Ego bestehen kann. Diese Achtsamkeits- oder Einsichtsmeditation ist im Buddhismus verbreitet.

Ein Vergleich der beiden Formen wurde nicht durchgeführt, doch bei den meisten Störungen erreichte die Achtsamkeits- oder Einsichtsmeditation die bessere Wirkung. Die transzendentalen Meditationsformen waren schwächer wirksam und erzielten in keinem Endpunkt der Studie, also auch nicht bei Angstzuständen, Depressionen oder Schmerzen, eine signifikante Wirkung.

Insgesamt bleibt für Goyal jedoch festzuhalten, dass die Möglichkeiten und Grenzen der Meditation bislang zu wenig erforscht sind. Ein Vorteil gegenüber vielen Medikamenten ist jedoch erkennbar: Die Meditationen sind weitgehend frei von Risiken und Nebenwirkungen. rme

Goyal M, Singh S, Sibinga E: Meditation Programs for Psychological Stress and Well-being.
A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med. Published online January 06, 2014. doi: 10.1001/jamainternmed.2013.13018

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