ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2014Essstörungen: Erhöhtes Suizidrisiko bei Frauen

Referiert

Essstörungen: Erhöhtes Suizidrisiko bei Frauen

PP 13, Ausgabe März 2014, Seite 137

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Essstörungen erhöhen das Suizidrisiko. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische und schwedische Psychiater um Cynthia Bulik von der University of North Carolina at Chapel Hill (USA), nachdem sie die Datensätze zweier schwedischer Langzeitstudien mit insgesamt 12 647 Teilnehmern ausgewertet hatten. Es zeigte sich, dass Frauen, die aktuell an einer Essstörung erkrankt oder schon einmal im Laufe ihres Lebens daran erkrankt waren, signifikant häufiger versucht hatten, sich zu suizidieren, als nicht essgestörte Frauen. „Besonders betroffen waren Frauen mit Essstörungen, bei denen das Erbrechen oder Abführen von aufgenommener Nahrung zum Störungsbild gehörte“, berichten Bulik und Kollegen. Aber auch bei allen anderen Essstörungen wurde eine erhöhte Lebenszeitprävalenz für Suizidversuche festgestellt. Anorexie und Bulimie gingen zudem mit einer höheren psychiatrischen Komorbidität einher.

Nach Meinung der Wissenschaftler belegen die Befunde, dass Essstörungen negative Spätfolgen haben können, mit denen häufig nicht gerechnet wird. Sie zeigen außerdem, wie komplex Essstörungen sind, und dass sie die allgemeine Vulnerabilität erhöhen.

Die Autoren vermuten, dass die Dunkelziffer an Suizidversuchen und Suiziden höher liegt, weil sie nur registrierte Fälle analysiert haben. Ihre Ergebnisse halten sie aufgrund der großen Datensätze jedoch für repräsentativ. Sie empfehlen, potenziell gefährdete Patientengruppen wie etwa Patientinnen mit Essstörungen frühzeitig hinsichtlich des Suizidrisikos zu untersuchen. Darüber hinaus sollten das erhöhte Suizidrisiko bei der Behandlung von Essstörungen allgemein stärker berücksichtigt und entsprechende Präventionsmaßnahmen eingesetzt werden. ms

Anzeige

Pisetsky E, Thornton L, Bulik C, Lichtenstein P, Pedersen N: Suicide attempts in women with eating disorders. Journal of Abnormal Psychology 2013; 122(4): 1042–56. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema