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Wir bedanken uns bei Prof. Greitemann und Prof. Minne für ihre Leserbriefe, die auch unser Ansinnen auf die Notwendigkeit der weiteren klinischen Prüfung der Orthesentherapie, bei den in unserem Artikel diskutierten Krankheitsbildern der Wirbelsäule hinzuweisen, unterstreichen.

Die Studie von Kuijper et al. zeigte als einzige randomisierte kontrollierte Studie (RCT) bei Patienten mit akuter Zervikobrachialgie einen ähnlichen Effekt mit einer semirigiden Orthese nach drei und sechs Wochen Therapiedauer im Vergleich zu einer krankengymnastischen Behandlung. Für weiche Orthesen oder bei chronischen Halswirbelsäulensyndromen konnte bisher keine Wirksamkeit bewiesen werden.

Aus Platzgründen haben wir auf eine Betrachtung der Frakturen in unserem Artikel verzichtet. Herr Prof. Minne weist zu Recht darauf hin, dass bisher zwei RCTs zur Behandlung akuter osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen existieren, die einen positiven Effekt für die Spinomed-R-Orthese zeigen. Longo und Autoren erwähnen eine dieser Studien in ihrem systematischen Review aus 2012 (1) als einzige RCT auf diesem Gebiet. Insofern sind diese Studien ein Musterbeispiel für gute klinische Studien mit Orthesen.

Klinische Studien sind zur Beurteilung der Effektivität medizinischer Behandlungsmaßnahmen unerlässlich. Auch die jüngere Geschichte der Medizin zeigt zahlreiche Beispiele empirisch begründeter Behandlungsmaßnahmen, die sich als nutzlos oder gar schädlich erwiesen haben (2). Klinische und biomechanische Studien zur Orthesenbehandlung an der Wirbelsäule sind zwar vielfach publiziert worden, sind jedoch häufig methodisch nicht geeignet um die Wirksamkeit der Orthesenbehandlung zu belegen und fließen aus diesem Grund nicht in die Metaanalysen und systematischen Reviews ein. Eine Besserung der Situation ist bei einem aktuellen Blick in die großen Studienregister (Deutsches Register klinischer Studien, ClinicalTrials.gov) nicht zu erwarten, weil zur Beurteilung von Orthesen an der Wirbelsäule, außer bei Skoliosen und Frakturen, derzeit keine Studien registriert wurden. Bei der Masse an Verordnungen allein in Deutschland wäre es ein Leichtes, hochwertige Studien zur Beurteilung der offenen Fragestellungen durchzuführen. Die von Prof. Greitemann angesprochenen Probleme der Inhomogenität der Diagnosen und Patientengruppen kann durch ein adäquates Studiendesign berücksichtigt werden. Die Motivation für hochwertige Studien ist seitens der Industrie aus verständlichen Gründen, bei vorhandener Zulassung und der hohen Anzahl an Verordnungen, gering. Somit ist es unsere ärztliche Verantwortung die Orthesentherapie an der Wirbelsäule kritisch zu hinterfragen. Leider trifft für die klinische Forschung der Orthesentherapie an der Wirbelsäule der Satz von Altmann aus 1994 immer noch zu: Wir brauchen weniger Forschung, gute Forschung und Forschung aus guten Gründen (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0196

Dr. med. Kourosh Zarghooni

Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Uniklinik Köln

kourosh.zarghooni@uk-koeln.de

Interessenkonflikt

Dr. Zarghooni erhielt Gelder für ein von ihn initiiertes Forschungsvorhaben von der Bauerfeind AG.

1.
Longo UG, Loppini M, Denaro L, Maffulli N, Denaro V: Conservative management of patients with an osteoporotic vertebral fracture:
A review of the literature. J Bone Joint Surg Br 2012; 94: 152–7. CrossRef MEDLINE
2.
Editorial commentary. Why fair tests are needed. 2007. Available at: www.jameslindlibrary.org.
3.
Altman DG: The scandal of poor medical research. BMJ 1994; 308: 283–4. CrossRef MEDLINE
4.
Zarghooni K, Beyer F, Siewe J, Eysel P: The orthotic treatment of acute and chronic disease of the cervical and lumbar spine. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(44): 737–42. VOLLTEXT
1.Longo UG, Loppini M, Denaro L, Maffulli N, Denaro V: Conservative management of patients with an osteoporotic vertebral fracture:
A review of the literature. J Bone Joint Surg Br 2012; 94: 152–7. CrossRef MEDLINE
2.Editorial commentary. Why fair tests are needed. 2007. Available at: www.jameslindlibrary.org.
3. Altman DG: The scandal of poor medical research. BMJ 1994; 308: 283–4. CrossRef MEDLINE
4.Zarghooni K, Beyer F, Siewe J, Eysel P: The orthotic treatment of acute and chronic disease of the cervical and lumbar spine. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(44): 737–42. VOLLTEXT

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