ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Zeneca Pharmaceuticals: Die „Top ten“ als Unternehmensziel

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Zeneca Pharmaceuticals: Die „Top ten“ als Unternehmensziel

Glomp, Ingrid

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LNSLNS Die Preise für unsere Produkte geraten auf allen wichtigen Märkten unter Druck. Gleichzeitig steigen die Kosten für Forschung, Entwicklung und Vermarktung." So beschrieb Dr. Tom McKillop, Vorstandsvorsitzender von Zeneca Pharmaceuticals, die Situation der pharmazeutischen Industrie bei seinem Besuch der Tochterfirma Zeneca GmbH in Plankstadt bei Heidelberg.
Dabei gab er einen Einblick in die strategischen Überlegungen, mit denen man die Zukunft des Unternehmens sichern will. Wichtigste Voraussetzung dafür sind Innovationen auf der Basis firmeneigener Forschung; darüber hinaus die Zusammenarbeit mit Instituten und Firmen sowie der Einstieg ins "Health Care Management".


Weniger Bürokratie
Mit einem Umsatz von 4,9 Milliarden DM (1995) und 12 000 Mitarbeitern gehört Zeneca Pharmaceuticals zu den führenden 20 Unternehmen der forschenden Pharmaindustrie. Zeneca Pharmaceuticals ist Teil der Aktiengesellschaft Zeneca PLC mit Sitz in London (Umsatz 11,1 Milliarden DM 1995, hervorgegangen aus dem Großunternehmen ICI).
Erklärtes Ziel der Firmenpolitik ist ein Rang unter den Top ten der Pharmaunternehmen. Außerdem, so McKillop: "... sind wir zur Zeit weltweit die Nummer zwei im Bereich Onkologie, und wir beabsichtigen, die Nummer eins zu werden" – also den derzeitigen Marktführer Bristol-Myers Squibb zu überholen.
Wie will Zeneca diese Ziele erreichen? Ein wichtiger Schritt war laut McKillop die Loslösung von ICI im Jahre 1993. Wo andere Firmen danach streben, kleinere Unternehmen zu "schlucken", ist man bei Zeneca den umgekehrten Weg gegangen. Die Trennung von dem Chemie-Giganten hat laut McKillop mehr Kundennähe, Flexibilität, schnellere Entscheidungen und weniger Bürokratie gebracht und damit mehr Produktivität und größere Profite.
1994 gab Zeneca Pharmaceuticals 740 Millionen DM oder 15 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus: Schwerpunkte sind die Gebiete Onkologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf und Infektionen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen in Großbritannien drei neue Substanzen aus der eigenen Entwicklung auf den Markt gebracht: Casodex (Antiandrogen zur Behandlung des Prostatakarzinoms), Arimidex (Antiöstrogen für MammakarzinomTherapie) und Merrem (Antibiotikum).
Zusätzlich wurde die 3-Monats-Formulierung des LHRH-Analogons Zoladex in Großbritannien eingeführt. Und seit März dieses Jahres ist Tomudex (Thymidilat-Synthase-Hemmer für die Behandlung des kolorektalen Karzinoms) in Großbritannien auf dem Markt. Seit Juni 1995 ist das Antibiotikum unter dem Namen Meronem® auch in Deutschland zugelassen. Zwei der drei Krebsmittel kommen voraussichtlich im Laufe des Jahres 1996 auf den deutschen Markt. Zwei Präparate befinden sich in der Endphase der Zulassungsverfahren (Seroquel zur Behandlung von Schizophrenie und Vanticon, ein Anti-Asthma-Mittel). Neu an Vanticon ist: es wird nicht als Aerosol, sondern in Tablettenform verabreicht. Möglicherweise erhöht das die Compliance der Patienten. Wie McKillop weiter berichtete, sind fünf Produkte in der frühen Phase der klinischen Entwicklung und sechs in der präklinischen Phase. Seit der Loslösung von ICI kooperiert man in der Forschung mit mehreren Universitäten, Institutionen und Unternehmen. Ein Partner ist das amerikanische Biotech-Unternehmen Sugen Inc., das die Hemmung von Signalübertragungen in der Zelle untersucht – möglicherweise ein wichtiger Angriffspunkt für die Krebsbehandlung. Bei der Boston Life Science Inc. beteiligt man sich an der Forschung über Autoimmunkrankheiten wie die rheumatoide Arthritis.


Schwerpunkt Onkologie
Mit dem Engagement im Bereich "Health Care Management" möchte sich Zeneca schließlich den Arzneimitteln verwandte Gebiete erschließen. Das Ziel ist, daß die Informationen und Fähigkeiten aus den verschiedenen Bereichen sich gegenseitig ergänzen. Außerdem möchte man sich neue Investitionsmöglichkeiten für die Gewinne aus dem Pharmageschäft erschließen. Diese Aktivitäten konzentrieren sich zur Zeit hauptsächlich auf die USA. So erwarb Zeneca 50 Prozent von SALICK, einem Unternehmen, das in den USA Krebsbehandlungszentren betreibt.
Dies, so McKillop, ergänzt ideal die eigenen Anstrengungen in der Onkologie. Außerdem gehören die Stuart Disease Management Services (SDMS) zu 100 Prozent Zeneca. Dort analysiert man Behandlungsergebnisse und möchte Methoden entwickeln, die der Qualitätssicherung dienen. McKillop versicherte in diesem Zusammenhang, daß die Unternehmen keineswegs als Plattform dienen sollen, um Zenecas Arzneimittel besser zu vermarkten. In der deutschen Tochtergesellschaft ist man mit den neuen Entwicklungen zufrieden. Im Dezember 1995 nahm die Zeneca GmbH auf dem deutschen Apothekenmarkt in bezug auf den Umsatz den Rang 22 ein. Im endokrinen onkologischen Markt und bei intravenös verabreichten Hypnotika ist sie sogar führend. In Plankstadt, dem Hauptsitz, arbeiten etwa 810 Mitarbeiter, 150 weitere sind in Frankfurt und Hamburg tätig, allerdings auf den Gebieten Agrarprodukte und Spezialitäten.
Im Arzneimittelwerk in Plankstadt werden Wirkstoffe gereinigt, Präparate hergestellt und im Ausland produzierte Arzneimittel verpackt. Die Produkte gehen zu 60 Prozent in den deutschen Markt und zu knapp 40 Prozent in den Export. Seit neuestem erfolgt in Plankstadt zum Beispiel die zentrale Tablettierung von Casodex für die weltweite Belieferung aller Tochtergesellschaften. Im vergangenen Jahr erzielte die deutsche Zeneca-Gruppe einen Umsatz von 743 Millionen Mark. Dies entspricht einem Plus von sechs Prozent. Bei den Arzneimitteln nahm der Umsatz um fünf Prozent zu. Für das Wachstum des Inlandsgeschäftes sorgten hauptsächlich die neueren Präparate aus den Indikationsgebieten Anästhesie, endokrine Onkologie sowie Herz-Kreislauf. Dr. Ingrid Glomp

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