ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2014Karl der Grosse: Begegnungen auf Schritt und Tritt

KULTUR

Karl der Grosse: Begegnungen auf Schritt und Tritt

Dtsch Arztebl 2014; 111(11): A-466 / B-400 / C-384

Traub, Ulrich

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Mehrere Ausstellungen in Aachen widmen sich dem Wirken Karls, dem höfischen Leben sowie der Kultur und machen den Herrscher als Ahnherrn der europäischen Einigung sichtbar.

Der Hof vor dem Haupteingang zum Kaiserdom in der Aachener Innenstadt. Damit der Dom nicht zugebaut werden kann, stellt die Stadt ihren Kern unter Schutz. Foto: dpa
Der Hof vor dem Haupteingang zum Kaiserdom in der Aachener Innenstadt. Damit der Dom nicht zugebaut werden kann, stellt die Stadt ihren Kern unter Schutz. Foto: dpa

Nun ist der gute Mann schon eine ganze Weile tot, doch Ruhe findet er nicht – schon gar nicht, wenn der Kalender ein Jubiläum anzeigt. Vor 1 200 Jahren, am 28. Januar 814, ist in Aachen Karl der Große gestorben. Seine sofortige Beisetzung in der Pfalzkapelle, dem heutigen Dom, war ein cleverer Schachzug, über den man sich in der Stadt bis heute freut.

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„Ohne die Gebeine von Karl, die im Dom liegen, gäbe es Aachen nicht“, erfährt man bei einer Stadtführung. Reliquien waren eben die Sehenswürdigkeiten vergangener Tage. Nur so konnte sich rund um den Pfalzbezirk mit dem Dom ein blühendes Gemeinwesen entwickeln. Wer durch die Stadt spaziert, wird Karl auf Schritt und Tritt begegnen. Im Rathaus, das auf dem Fundament der Königshalle des Herrschers steht, begrüßt eine Fußmatte mit Karl-Antlitz den Betrachter. Den Krönungssaal schmücken Fresken aus dem 19. Jahrhundert, auf denen Karls Leben idealisiert wird, sowie die Reichskleinodien.

In der Printenhochburg Van den Daele wird ein Modell mit Karl-Porträt gezeigt. So steht der Frankenkönig auch für diese Aachener Spezialität Modell, die fast so alt ist wie er selbst. Dabei weiß man gar nicht genau, wie Karl ausgesehen hat. Die überlebensgroße Brunnenfigur vor dem Rathaus ist auch nur eine Annäherung. Wenn aber im Frühling 500 etwa ein Meter kleine, rote und gelbe Karl-Figuren des Künstlers Ottmar Hörl auf dem zwischen Dom und Rathaus gelegenen Katschhof aufmarschieren, dann haben diese kaum noch etwas mit dem Original gemein. Der Kaiser hatte die Größe, die seiner Macht entsprach: Mindestens 1,90 Meter soll er groß gewesen sein.

Mehr als ein PR-Gag ist dagegen die Eröffnung des Centre Charlemagne, dem Informations- und Ausstellungszentrum am Katschhof. Hier wird ab Juni eine der drei parallel laufenden Ausstellungen im Karlsjahr zu sehen sein. Der Dom hat schon seit ein paar Jahren sein Infozentrum in einem schicken Neubau. Die Ausstellungen widmen sich dem Wirken Karls, dem höfischen Leben sowie der Kultur und sollen den Herrscher über ein Reich, das sich von der Elbe bis zum Ebro erstreckte, auch als Ahnherrn der europäischen Einigung sichtbar machen.

Aachen versteht sich als Europastadt. Grenzüberschreitende Kooperationen unterstreichen das. Seit 1950 wird jährlich der Internationale Karlspreis für besondere Verdienste um die Einigung Europas verliehen. Aber warum war Karls Wahl überhaupt auf diesen Ort gefallen, der dann seine Lieblingspfalz werden sollte? Die heißen Quellen, die schon Kelten und Römer geschätzt hatten, gaben den Ausschlag. Ihr Wasser tat dem Herrscher gut und war vielleicht sogar das Geheimnis seines für die damalige Zeit ungewöhnlich langen Lebens von 66 Jahren. Den Besuchern der Stadt wird rund um den von Karl Friedrich Schinkel erbauten Elisenbrunnen ein fauliger Geruch in die Nase steigen: schwefelhaltiges Thermalwasser, das einst den ausgezeichneten Ruf Aachens als Kurort begründete.

Auch die Reliquien erfüllen immer noch ihren Zweck. Neben den Gebeinen Karls werden in der Chorhalle des Doms, deren Fertigstellung sich in diesem Jahr zum 600. Mal jährt, noch weitere Reliquien aufbewahrt: die Windeln Jesu, das Lendentuch Christi, das Kleid Marias sowie das Enthauptungstuch Johannes des Täufers. Alle sieben Jahre werden sie im Juni im Rahmen der zehntägigen „Heiligtumsfahrt“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Informationen

  • Aachen Tourismus, Friedrich-Wilhelm-Platz, 52062 Aachen; www.aachen-tourist.de, Telefon: 0241 1802960
  • Route Charlemagne: Stadtrundgang auf den Spuren des Kaisers
  • Ausstellungen: „Karls Kunst“, „Verlorene Schätze“ und „Orte der Macht“; alle vom 20. Juni bis 21. September; www.karldergrosse2014.de
  • Heiligtumsfahrt: 20. bis 29. Juni

Ulrich Traub

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