ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2014Regorafenib: Multi-Kinase-Inhibitor für Therapie bei metastasiertem Darmkrebs

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Regorafenib: Multi-Kinase-Inhibitor für Therapie bei metastasiertem Darmkrebs

Dtsch Arztebl 2014; 111(11): A-468

EB

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Regorafenib bietet eine Option für Patienten in fortgeschrittenem Stadium, bei denen die bisherigen Behandlungsalternativen nicht mehr wirken oder für die diese Alternativen nicht geeignet sind.

Die Behandlung des metastasierten Kolorektalkarzinoms (metastatic colorectal cancer, mCRC) ist trotz der Kombination von Chemotherapien und zielgerichteten Substanzen und der damit verbundenen Verbesserung der Prognose für die mCRC-Patienten immer noch eine Herausforderung. Beim Versagen der bisherigen evidenzbasierten Standardtherapien bestand bisher ein Mangel an weiteren effektiven Therapieoptionen.

Behandlungswunsch auch nach Mehrfachtherapie

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Eine zunehmende Zahl von Patienten in ausreichend gutem Allgemeinzustand haben auch nach einer Zweit- und Drittlinientherapie einen Behandlungswunsch. Diese Therapielücke kann mit Stivarga® (Regorafenib, Bayer) geschlossen werden. Der effektive Multi-Kinase-Inhibitor verlängert das Überleben von Patienten mit mCRC nach evidenzbasierten und zugelassenen Standardtherapien, unabhängig vom KRas-Mutationsstatus.

„Die hohe Wirksamkeit von Regorafenib beruht darauf, dass der Wirkstoff den Tumor auf drei verschiedenen Wegen angreift”, erläutert Prof. Dr. med. Arndt Vogel von der Medizinischen Hochschule Hannover. So hemmt Regorafenib sowohl Kinasen, die eine essenzielle Rolle in den Signalwegen der Angiogenese spielen (VEGFR1/ 2/3, TIE2) als auch solche, die für die Onkogenese (KIT, RET, BRAF, BRAFV600E) und die Mikroumgebung des Tumors (FGFR-1, PDGFR-ß) von wesentlicher Bedeutung sind.

Die Relevanz dieses innovativen Wirkansatzes für den klinischen Erfolg zeigt die Zulassungsstudie CORRECT*. 760 mCRC-Patienten, deren Tumor unter der aktuellen Standardtherapie weiter fortgeschritten war, nahmen an der Studie teil (Lancet 2013; 381: 303–12). Die Tabletten wurden einmal täglich nach einer leichten Mahlzeit und zur selben Tageszeit eingenommen. Die Ergebnisse zeigen im primären Endpunkt eine signifikante Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens im Regorafenib-Arm gegenüber Placebo (6,4 versus 5,0 Monate, p = 0,0052; HR 0,77). Dies entspricht einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 23 Prozent.

Regorafenib erwies sich darüber hinaus im medianen progressionsfreien Überleben gegenüber Placebo signifikant überlegen, wobei es das Risiko für Progression oder Tod um 51 Prozent reduzierte (HR 0,49; p < 0,0001). Hinsichtlich der Tumorkontrollrate war der Multi-Kinase-Inhibitor ebenfalls eindeutig überlegen: Während unter Regorafenib 41 Prozent der Patienten mindestens eine Stabilisierung der Erkrankung erreichten, waren es unter Placebo nur 14,9 Prozent.

Handhabbare Nebenwirkungen

Vogel zufolge waren die in der Studie beobachteten Nebenwirkungen von Regorafenib handhabbar und traten zumeist während der ersten beiden Zyklen auf. Häufigste arzneimittelbedingte unerwünschte Ereignisse vom Grad 3/4 waren Hand-Fuß-Hautreaktion (17 Prozent), Fatigue (neun Prozent), Hypertonie (sieben Prozent), Diarrhö (sieben Prozent) und Hautausschlag (sechs Prozent), wobei Nebenwirkungen vom Schweregrad 4 kaum beobachtet wurden.

Gegenwärtig wird die Wirksamkeit von Regorafenib in einer Phase-III-Studie auch beim fortgeschrittenen hepatozellulären Karzinom geprüft. EB

*CORRECT = Colorectal cancer treated with regorafenib or placebo after failure of standard therapy

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