ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2014Viszeralchirurgie: Mutiges, ungewöhnliches Buchkonzept

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Viszeralchirurgie: Mutiges, ungewöhnliches Buchkonzept

Dtsch Arztebl 2014; 111(11): A-462

Fetzner, Ulrich; Leers, Jessica

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Je höher der Viszeralchirurg auf seiner Leiter der klinischen – hier operativen – Erfahrung geklettert ist, desto häufiger sieht er sich auch wachsenden intraoperativen Herausforderungen gegenübergestellt: Patienten mit vielfachen Voroperationen, komplexen Tumorsituationen, intraoperativen Komplikationen und schwierigen Situationen, aber auch ganz alltäglich-praktischen Vorkommnissen, wie plötzlich fehlendes, defektes Instrumentarium, und viele andere denkbare Szenarien.

Die dann erforderlichen Reaktionen und Maßnahmen weichen von Standardoperationen und operativen Standards ab, sie erfordern Variationen und Flexibilität. Kein ehrlicher Chirurg wird behaupten, dass auch nicht noch am Ende seiner jahrzehntelangen Erfahrung solche Situationen jederzeit auftreten können. Derartige Situationen werden – allerdings meist danach – unter den erfahrenen Kollegen der Abteilung besprochen. Auf Kongressen und privat tauscht man sich mündlich darüber aus.

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Sekundärliteratur, welche diese Themen organspezifisch bündelt, war bislang hierzu in der Viszeralchirurgie im deutschen Sprachraum nicht verfügbar. In dieses Vakuum tritt nun die Neuerscheinung von Michael Korenkov, Christoph-Thomas Germer und Hauke Lang.

Die Besprechung der Krankheitsbilder tritt hier maximal in den Hintergrund zugunsten operationstechnischer Details von Magen, Zwerchfell, Gallenblase und Gallenwegen, Dickdarm und Rektum. Dabei wird – vor allem zu Beginn des Buches – auch auf medikolegale Aspekte eingegangen. Bemerkenswert sind ebenfalls die kopflastigen, tiefgründigen, dem speziellen Teil des Buches vorausgehenden Ausführungen von Professor Troidl.

Die Autorenschaft setzt sich zusammen aus den ausgewiesenen nationalen und internationalen Meinungsbildnern des jeweiligen Fachgebietes. Jedes Thema wird so aus dem Blickwinkel und den chirurgischen „Schulen“ von vier bis fünf Meinungsbildnern besprochen. Hier erschließt sich dem Leser eine Vielfalt von Blickwinkeln von Chirurgen eher konservativer und eher vorwärtsdrängender Einstellung.

Das Buch ist üppig farbig bebildert und auch sonst hervorragend ausgestattet. Wichtiges und hervorhebenswertes Element des Buches ist die von den Herausgebern entwickelte jeweils tabellarisch pro Kapitel eingebettete „Klassifikation der intraoperativen Schwierigkeiten“.

Man wünscht sich einen Ausbau des Buches auf die Leber- und Pankreas- sowie Adipositaschirurgie, was möglicherweise für Folgeauflagen infrage kommen könnte. Manche Inhalte werden ergänzt durch ein Online-Videoangebot, das auf einer eigens eingerichteten Website ergänzend eingesehen werden kann.

Fazit: ein mutiges, neuartiges und ungewöhnliches Buchkonzept. Die Idee zur Publikation ist aus der Praxis heraus geboren. Dem Werk sind Akzeptanz und Verbreitung zu wünschen. Der Preis ist mit 119 Euro für die Zielgruppe der operativ tätigen Viszeralchirurgen günstig.

Ulrich Fetzner, Jessica Leers

Michael Korenkov, Christoph-Thomas Germer, Hauke Lang (Hrsg.): Gastrointestinale Operationen und technische Varianten. Springer, Berlin 2013, 427 Seiten, gebunden, 149,99 Euro

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