ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2014Frage der Woche an . . . Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW

Wie beurteilen Sie die aktuellen Medienberichte, wonach die Hygiene in vielen nordrhein-westfälischen Kliniken mangelhaft sei?

Dtsch Arztebl 2014; 111(11): [4]

Flintrop, Jens

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Wie beurteilen Sie die aktuellen Medienberichte, wonach die Hygiene in vielen nordrhein-westfälischen Kliniken mangelhaft sei?

Blum: Jeder Einzelfall ist einer zu viel, und es gibt sicher immer noch viel zu tun, aber bei rund 4,7 Millionen stationären Patienten im Jahr in unseren Kliniken warnen wir vor einer Verunsicherung der Patienten durch bedauerliche und erschreckende Einzelfälle. Die Verantwortlichen in den 385 Krankenhäusern im Land sind sich der Bedeutung von Maßnahmen zum Hygienemanagement und zur Infektionsvermeidung sehr bewusst.

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Die Mitarbeiter in unseren Häusern machen täglich einen tollen Job und wissen um die Bedeutung der Hygiene für die ihnen anvertrauten Patienten. Dass Infektionen nicht zu 100 Prozent vermeidbar sind, ist bekannt. Dass darüber hinaus unter den von großem Stress und hoher Arbeitsverdichtung gekennzeichneten Arbeitsbedingungen Fehler passieren können, ist leider auch eine Tatsache, so bedauerlich dies auch ist. Dennoch werden alle Anstrengungen unternommen, die vermeidbaren Infektionen zu verhindern. Risikopatienten, zum Beispiel aus Altenheimen, werden schon vor der Aufnahme auf MRSA-Keime untersucht, im Rahmen der Aktion „Saubere Hände“ werden Krankenhausmitarbeiter für das Thema Handdesinfektion sensibilisiert und geschult, in MRSA-Netzwerken werden flächendeckend aktuelle Erkenntnisse in Nordrhein-Westfalen (NRW) ausgetauscht, und die Hygieneexperten machen Begehungen im Krankenhaus. Vor allem aber wurden in allen NRW-Krankenhäusern Hygieneteams aus Hygienefachkräften, hygienebeauftragten Ärzten und Pflegekräften sowie Krankenhaushygienikern etabliert. Diese Experten bilden zusammen mit den Geschäftsführern, den ärztlichen Direktoren, den Pflegedirektoren und den Technischen Leitern die Hygienekommissionen. Die Aufgaben des Hygienemanagements sind die Verhütung, Erkennung und Bekämpfung von Krankenhausinfektionen. Grundlagen des Hygienemanagements sind das Landeskrankenhausgesetz und die entsprechende Verordnung zur Hygiene in NRW, das Infektionsschutzgesetz, die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes sowie die Empfehlungen und Leitlinien der Paul-Ehrlich-Gesellschaft.

Keime werden nicht im Krankenhaus gezüchtet, sondern werden von außen immer wieder mit in die Häuser gebracht. Die Kliniken sind nur Teil einer Versorgungskette aus unter anderem Pflegeheimen und niedergelassenen Ärzten. Eine weitere Schwierigkeit ist der massive Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft, der zu einem Anstieg der antibiotikaresistenten Keime führt. Hier kann nur eine sektorenübergreifende Antibiotikastrategie helfen. JF

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