ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2014Osteomalazie statt Osteoporose
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Die auf den Seiten 839 und 843 aufgeführten Komplikationen der klassischen Zöliakie benennen auch die Osteoporose (1). Das ist nur richtig, wenn damit das densitometrische Symptom der Knochenmineralsalz-Reduktion und nicht das Krankheitsbild der Osteoporose gemeint ist. In der Erwachsenenmedizin ist diese Differenzierung wichtig (24).

Nach meinen Erfahrungen im Bereich der Knochenhistologie entwickelt eine aktive, nicht behandelte Zöliakie infolge der Malabsorption einen deutlichen Vitamin-D- und Kalziummangel. Dem Grad dieses Mangels entsprechend folgt eine Knochenmineralisationsstörung im Sinne der Volumen-Osteoidose. Damit ist aber kein Volumendefizit des gesamten Knochengewebes verbunden. Die alleinige Osteoidose heilt zusammen mit der Zöliakie meist folgenlos aus.

Bei schwerem, langzeitigem Kalziummangel kommt es zusätzlich zur Osteoidose zu einer reaktiven Fibroosteoklasie als Merkmal des sekundären Hyperparathyreoidismus. Beide Veränderungen im Knochen führen zum Bild der gemischten intestinalen Osteopathie.

Diese kann dann letztlich auch bleibende Volumendefizite am Knochen bedingen. Bei älteren Patienten mit gemischter intestinaler Osteopathie kann deshalb nach behandelter und inzwischen inaktiver Zöliakie ein der Osteoporose entsprechendes Strukturdefizit bei normaler Mineralisation als „Knochen-Restschaden“ gedeutet werden.

Die Osteoporose selbst ist pathogenetisch eine ganz andere Erkrankung und bisher nur differenzialdiagnostisch mit der Zöliakie in Verbindung gebracht worden.

Osteoporose und Osteomalazie sollten immer getrennt werden, da sie einer ganz unterschiedlichen Therapiestrategie bedürfen.

Deshalb sollte im Zusammenhang mit den Komplikationen einer aktiven Zöliakie der Begriff der Osteoporose durch den pathogenetisch zutreffenden Begriff der Osteomalazie ersetzt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0212b

Doz. Dr. sc. med. Klaus Abendroth

Jena

klaus.abendroth@t-online.de

Interessenkonflikt

Doz. Dr. sc. med. Abendroth ist Referent der Osteologie Akademie des DVO und erhielt im Rahmen dieser Tätigkeit Honorare für Fortbildungsveranstaltungen. Des Weiteren ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Osteologie und des Vereins Regionale Expertenkreise Osteoporose Deutschland e.V.

1.
Schuppan D, Zimmer KP: The diagnosis and treatment of celiac disease. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(49): 835–46. VOLLTEXT
2.
Abendroth K: Krankheiten des Knochens. In: Stobbe H, Baumann G (eds.): Innere Medizin – Grundlagen und Klinik innerer Krankheiten. 7nd completly revised and extended edition. Berlin, Wiesbaden: Ullstein Mosby 1996; 1101–31.
3.
Holick MF: Vitamin D: Photobiology, metabolism of action and clinical applications hypocalcemic disorders. In: Primer on the metabolic bone diseases and disorders of mineral metabolism, Official Publication oft the American Society for Bone and Mineral Research, 4th edition, Philadephia, Baltimore, New York: Lippincott Williams & Wilkins 1999; 92–97.
4.
Braun J, Felsenberg D, Minne H: Veränderungen der Knochendichte und Knochenstruktur In: Zeidler H, Zacher J, Hiepe F (eds.): Interdisziplinäre klinische Rheumatologie. 1stedition,
Berlin, Heidelberg, New York: Springer 2001; 1148–50 CrossRef
1.Schuppan D, Zimmer KP: The diagnosis and treatment of celiac disease. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(49): 835–46. VOLLTEXT
2.Abendroth K: Krankheiten des Knochens. In: Stobbe H, Baumann G (eds.): Innere Medizin – Grundlagen und Klinik innerer Krankheiten. 7nd completly revised and extended edition. Berlin, Wiesbaden: Ullstein Mosby 1996; 1101–31.
3.Holick MF: Vitamin D: Photobiology, metabolism of action and clinical applications hypocalcemic disorders. In: Primer on the metabolic bone diseases and disorders of mineral metabolism, Official Publication oft the American Society for Bone and Mineral Research, 4th edition, Philadephia, Baltimore, New York: Lippincott Williams & Wilkins 1999; 92–97.
4. Braun J, Felsenberg D, Minne H: Veränderungen der Knochendichte und Knochenstruktur In: Zeidler H, Zacher J, Hiepe F (eds.): Interdisziplinäre klinische Rheumatologie. 1stedition,
Berlin, Heidelberg, New York: Springer 2001; 1148–50 CrossRef

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