ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1996Studienreform: Überflüssig
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LNSLNSLNSLNS Die Vermittlung des natur- und geisteswissenschaftlichen Grundwissens ist Aufgabe der gymnasialen Mittelstufe! Wer erst angesichts eines Einser-Abiturs oder der Erfüllung einer Wartezeit seine Neigung zur Medizin entdeckt, wird nicht umhinkönnen, das versäumte Schulwissen nachzupauken (zum Beispiel Abendschule). Die medizinische Fakultät kann aber diesbezüglich nur punktuelle Wissenslücken schließen. Die generelle Forderung eines "Studienvorbereitungsjahres für Mediziner" würde für die überwiegende Mehrheit der Studenten nur einen unnützen Zeitverlust bedeuten (neben Wehrdienst, Zivildienst, Mutterschaft etc.).
Dem Arzt dürfen pflegerische Aspekte nicht fremd sein (daher das bestehende Krankenpflegepraktikum). Aber die geforderte formale Aufwertung mit "Pflegeexamen" brächte für den Arzt in dessen Beruf keinerlei Vorteil. Vielmehr stünde eine zusätzliche Belastung des Verhältnisses zwischen "pflegekompetenten" Ärzten und hauptberuflichen (!) Pflegern und Pflegehelfern zu befürchten.
Allen Unkenrufen zum Trotz halte ich die bislang praktizierten Multiple-choice-Tests für recht gut geeignet, die Aneignung eines breitgefächerten Univer-sitätswissens effektiv zu überprüfen, ohne einzelne Lükken überzubewerten. Leider führt dies aber gerade bei den wichtigsten Sachverhalten (die 100prozentig "sitzen" müssen) zu immer skurrileren Fragestellungen und Formulierungen, die selbst gestandenen Fachärzten Schweißperlen auf die Stirn treiben.
Viele Studenten stellen daher frühzeitig ihre Lehrbücher in die Ecke, schwänzen Vorlesungen und Praktika und pauken statt dessen schier endlose Fragenkataloge, deren unzusammenhängendes Spezial- und Fußnotenwissen sie nach wenigen Jahren wieder vollständig vergessen haben.
Daher schlage ich vor, das unverzichtbare ärztliche Basiswissen innerhalb der MC-Tests durch gesonderte "Kernfragen" zu prüfen, die zuverlässig beherrscht werden müssen. Durch die Konzentration des Augenmerks der Studenten auf das Wesentliche würde ihnen ein (begründetes) Gefühl der Sicherheit vermittelt, gradliniges medizinisches Denken gefördert und die stets knappe Unterrichtszeit . . . seltener damit vertan, den Gedankengängen irgendeiner verworrenen Prüfungsfrage nachzugehen.
Dr. med. Carl-Thomas Möller, Luisenstraße 90/Haus 21 a, 53721 Siegburg
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