ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2014Kolorektales Karzinom: Altersadaptierte Antikörpertherapie verzögert Progress

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kolorektales Karzinom: Altersadaptierte Antikörpertherapie verzögert Progress

Dtsch Arztebl 2014; 111(12): A-512 / B-437 / C-421

Gulden, Josef

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Viele onkologische Patienten sind zwar im fortgeschrittenen Alter, aber weil sie nur selten in klinischen Studien vertreten sind, ist häufig nicht klar, wie sie am besten behandelt werden. 75- oder 80-Jährige mit metastasiertem kolorektalem Karzinom zum Beispiel tolerieren kaum mehr die üblichen Protokolle aus FOLFOX oder FOLFIRI plus einem Antikörper. Vielfach wird hier die Kombination aus Capecitabin und dem antiangiogenetischen Antikörper Bevacizumab empfohlen, aber Daten dazu gab es bisher nur aus Subgruppenanalysen oder Phase-II-Studien. Eine europäisch-kanadisch-südkoreanische Studiengruppe präsentiert nun erstmals die Phase-III-Studie AVEX mit 280 Patienten, die bei der Diagnose ihres nicht resezierbaren und metastasierten kolorektalen Karzinoms mindestens 70 Jahre alt waren (median 76, maximal 87 Jahre).

Sie wurden randomisiert: Capecitabin (1 000 mg/m2 oral zweimal am Tag über 14 Tage eines 3-wöchigen Zyklus) entweder alleine oder in Kombination mit Bevacizumab (7,5 mg/kg i.v. alle drei Wochen) bis zur Progression des Tumors, bis zum Auftreten inakzeptabler Toxizität oder bis zum freiwilligen Verzicht des Patienten. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben. Es wurde durch Bevacizumab um 4 Monate von 5,1 auf 9,1 Monate verlängert (Hazard Ratio [HR] 0,53; p < 0,0001). Diese Verlängerung war für alle untersuchten Subgruppen zu sehen. Die Gesamtüberlebenszeit hatte mit median 20,7 vs. 16,8 Monaten nicht signifikant zugenommen (HR 0,79; p = 0,18), aber dafür war die Studie auch nicht gepowert. Grad-3/4-Nebenwirkungen (40 % vs. 22 %) und schwere Nebenwirkungen (14 % vs. 8 %) waren unter der Kombination häufiger, aber insgesamt gut beherrschbar. Am häufigsten waren ein Hand-Fuß-Syndrom (16 % vs. 7 %), Diarrhö (jeweils 7 %) und venöse thromboembolische Ereignisse (8 % vs. 4 %). Die häufigsten Nebenwirkungen aller Schweregrade waren Blutungen (25 % in der Kombinations-, und 7 % in der Monotherapie-Gruppe).

Progressionsfreies Überleben von Patienten (&#8805; 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom
Progressionsfreies Überleben von Patienten (&#8805; 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom
Grafik
Progressionsfreies Überleben von Patienten (≥ 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom

Fazit: Die Kombination aus Capecitabin und Bevacizumab eignet sich zur First-line-Therapie älterer Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom, wenn Oxaliplatin oder Irinotecan keine Option sind. So erhielten von den Patienten in der Studie lediglich 37 % noch mindestens eine weitere Therapie, und diese enthielt nur in Einzelfällen Oxaliplatin oder Irinotecan.

Josef Gulden

Cunningham D, et al.: Bevacizumab plus capecitabine versus capecitabine alone in elderly patients with previously untreated metastatic colorectal cancer (AVEX): an open-label, randomized phase 3 trial. Lancet Oncol 2013; 14: 1077–85. MEDLINE

Progressionsfreies Überleben von Patienten (&#8805; 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom
Progressionsfreies Überleben von Patienten (&#8805; 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom
Grafik
Progressionsfreies Überleben von Patienten (≥ 70 Jahre bei Therapiebeginn) mit nicht resezierbarem, metastasiertem kolorektalem Karzinom

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