ArchivDeutsches Ärzteblatt12/201420 Jahre Qualitätszirkel: Unmittelbarer Nutzen für Patienten

THEMEN DER ZEIT

20 Jahre Qualitätszirkel: Unmittelbarer Nutzen für Patienten

Dtsch Arztebl 2014; 111(12): A-500 / B-428 / C-412

Quasdorf, Ingrid; Kleudgen, Susanne

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Foto: Fotolia/Fotolia365
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Qualitätszirkel haben sich als freiwillige ärztliche Initiative mittlerweile bundesweit etabliert. Sie fördern den Transfer von Wissen in die Praxis sowie die Bildung von beruflichen Netzwerken.

Unter der Vielzahl der Qualitätsförderungsinstrumente und -methoden, die in der ambulanten ärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung Anwendung finden, nimmt der Qualitätszirkel (QZ) einen herausragenden Platz ein. Seit nunmehr 20 Jahren finden sich Ärzte und Psychotherapeuten in kleineren Gruppen zusammen, um ihre tägliche Arbeit zu reflektieren, kritisch zu hinterfragen und gemeinsam nach bestmöglichen Lösungen für die Patientenversorgung zu suchen. Qualitätszirkel bieten eine Struktur, in der die Teilnehmenden freiwillig und selbstbestimmt Themen der Qualitätsförderung bearbeiten können. Viele Qualitätszirkel arbeiten dabei mit Echtdaten aus ihren Praxen oder nutzen aufbereitete Daten, zum Beispiel aus den Feedbackberichten der Disease-Management-Programme. So kann Versorgungsqualität abgebildet, mit verfügbaren Evidenzquellen abgeglichen und auf dieser Grundlage verbessert werden.

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Die Idee der Qualitätszirkel in der Medizin stammt aus den Niederlanden. 1988 veröffentlichte Richard Grol eine systematische Ausarbeitung zum Peer-Review-Konzept in der Medizin „Peer Review in General Practice – Methods, Standards, Protocols“ (1). Diese Idee griffen Wissenschaftler und Akteure um Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach, Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi und Dr. med. Thomas Ruprecht auf. Der Begriff des Qualitätszirkels als gruppenbasiertes ärztliches Peer Review wurde in Deutschland implementiert. Qualitätszirkel wurden als Instrument der Qualitätssicherung in der ambulanten Medizin eingeführt. In den frühen 1990er Jahren etablierten sich Qualitätszirkel im Rahmen von Modellprojekten, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung. Erste Moderatorentrainings für QZ-Moderatoren fanden statt.

Die 1993 in Kraft getretenen Qualitätssicherungs-Richtlinien der KBV nach § 135 Abs. 3 SGB V (heute: § 75 Abs. 7) beschreiben Qualitätszirkel erstmals als anerkannte Methode der Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung (Abschnitt B.4). Verschiedene Projekte, insbesondere zur Pharmakotherapie, trugen dazu bei, dass sich Qualitätszirkel als freiwillige, innerärztliche Initiative bundesweit etablierten.

KBV und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) fördern Qualitätszirkelarbeit durch organisatorische und finanzielle Unterstützung, Information und Fortbildungsangebote für Moderatoren und Tutoren nach einem Train-the-Trainer-Konzept, das im Handbuch Qualitätszirkel der KBV zusammengefasst ist (2). Das Handbuch beinhaltet inzwischen 29 didaktisch aufbereitete Module, die Impulse für eine strukturierte Zirkelarbeit geben und Moderationshilfen bereitstellen, unter anderem zu den Themen Patientenfallkonferenz, Patientensicherheit, Multimedikation, Hygienemanagement in Praxen/MVZ oder QEP® (3) im Qualitätszirkel. Ein Methodenmix aus Vortragspräsentationen, Kartentechnik, Arbeit mit Moderationsplakaten, Kleingruppenarbeit, Fallbesprechungen, Expertenbefragungen, Literaturrecherche, Lesearbeiten, Coaching, Rollenspielen und so weiter hilft, Qualitätszirkelarbeit interessant und abwechslungsreich zu gestalten.

Was ist das Besondere an Qualitätszirkeln? Sie bieten einen geschützten Raum, frei von Interessen Dritter, um sich mit Kollegen über die Versorgungspraxis auszutauschen, und fördern den Transfer von Wissen in die Praxis sowie die Bildung von beruflichen Netzwerken. Die im Qualitätszirkel gewonnenen Erkenntnisse kommen unmittelbar den Patienten zugute, nicht zuletzt durch den Erfahrungsschatz aller QZ-Teilnehmer, aber auch durch den Abgleich der im Zirkel gewonnenen Erkenntnisse mit externer Evidenz.

Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu
Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu
Tabelle
Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu

Die Zahl der Qualitätszirkel hat stetig zugenommen. Inzwischen sind bundesweit etwa 9 500 mit mehr als 68 000 Teilnehmern registriert, circa 7 500 dieser Zirkel arbeiten nach den Kriterien der Qualitätssicherungs-Richtlinien der KBV. Die Zirkelteilnehmer tauschen sich zu einer Vielzahl von Themen aus, das Spektrum reicht von A wie Arzneimitteltherapie bis Z wie Zytologie. Qualitätszirkel haben als Qualitätskriterium Einzug in verschiedene Vertragsformen gefunden und sind Kriterium für die Förderung von Praxisnetzen (4).

20 Jahre erfolgreicher Qualitätszirkelarbeit werden auch Thema eines Fachforums auf der diesjährigen KBV-Messe sein. Diese findet unter dem Motto „Qualität – Kooperation – Diversifizierung“ vom 26. bis 28. März 2014 in Berlin statt (5).

Die größten Herausforderungen der Qualitätszirkelarbeit sind künftig,

  • den selbstbestimmten Charakter der Zirkelarbeit ohne Einflussnahme Dritter zu sichern
  • die Vorzüge der Zirkelarbeit in die Breite zu tragen und neue thematische und didaktische Impulse zu setzen
  • junge Ärzte und Psychotherapeuten für die Zirkelarbeit zu gewinnen
  • die Evidenzbasierung der Qualitätszirkelarbeit zu fördern und
  • Qualitätszirkel stärker für eine sektoren- und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit zu nutzen.

Einige dieser Punkte werden im Kreis der Akteure durchaus konträr diskutiert. Klar ist aber, dass Qualitätszirkel als Instrument der Qualitätsförderung nicht mehr wegzudenken sind.

Ingrid Quasdorf, Susanne Kleudgen
Kassenärztliche Bundesvereinigung Dezernat 7 – Sektorenübergreifende Qualitätsförderung

1.
Grol R, Mesker P, Schellevis F: Peer Review in General Practice – Methods, Standards, Protocols. Nijmegen University: Department of General Practice 1988.
2.
KBV (Hrsg.): Handbuch Qualitätszirkel. 3. Auflage. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2013.
3.
QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen® – das Qualitätsmanagement-System der KBV, speziell für Praxen und Medizinische Versorgungszentren entwickelt.
4.
Rahmenvorgabe für die Anerkennung von Praxisnetzen nach § 87 b Abs. 4 SGB V. www.kbv.de/media/sp/Rahmenvorgabe_Anerkennung_Praxisnetze_Ausferti gung.pdf, 140129.
5.
www.kbv.de/messeanmeldung.php.
Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu
Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu
Tabelle
Die Zahl der Qualitätszirkel nimmt weiter zu
1.Grol R, Mesker P, Schellevis F: Peer Review in General Practice – Methods, Standards, Protocols. Nijmegen University: Department of General Practice 1988.
2.KBV (Hrsg.): Handbuch Qualitätszirkel. 3. Auflage. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2013.
3.QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen® – das Qualitätsmanagement-System der KBV, speziell für Praxen und Medizinische Versorgungszentren entwickelt.
4.Rahmenvorgabe für die Anerkennung von Praxisnetzen nach § 87 b Abs. 4 SGB V. www.kbv.de/media/sp/Rahmenvorgabe_Anerkennung_Praxisnetze_Ausferti gung.pdf, 140129.
5.www.kbv.de/messeanmeldung.php.

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