ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2014Kindesmisshandlung: Alle Familien aufsuchen!
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. . . In der Tat ist es ein Ärgernis, wie hier von den Rechtsmedizinern der Berliner Charité die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland pauschal der „aktiven Beihilfe oder zumindest der stillschweigenden Duldung“ angeklagt werden. Man möchte den Autoren empfehlen, wahllos irgendeine(n) meiner niedergelassenen Fachkolleg(inn)en aufzusuchen. Sie sollten aber viel Zeit mitbringen, denn jeder von uns kann viel und lang berichten über seine persönlichen Erfahrungen mit Behörden und Gerichten bei gemeldeten Misshandlungs-(Verdachts-)fällen . . .

Und es ist alles so einfach und wird zum Beispiel von (demokratischen!) skandinavischen Ländern seit Jahrzehnten mit großen Erfolg praktiziert: Auch wir brauchen dringend eine, die Eltern eines jeden Neugeborenen aufsuchende, mit klaren Kompetenzen ausgestattete Sozialhilfe. Denn die circa zehn Zeichen einer drohenden Kindesmisshandlung sind bei einem (oder mehreren) solcher Hausbesuche unschwer erkennbar. Und wenn jede junge Familie besucht wird, ist das weder diskriminierend, noch stigmatisierend, sondern einfach nur normal und selbstverständlich. Und wenn das Nichtzulassen des Besuchs mit klaren (finanziellen!) Konsequenzen verbunden ist, dann dürfte ein „100 Prozent“ sicher zu erreichen sein, das die niedergelassene, aufzusuchende Ärzteschaft niemals erreichen kann.

Ist es nicht für eine zivilisierte Gesellschaft beschämend, wenn die vielen getöteten und misshandelten Kinder nicht Anlass geben, unsere Politik auf diesem Gebiet radikal zu ändern? Dies sollte die gemeinsame Zielrichtung der Autoren aus der Charité, der Redaktion des DÄ wie der Berufspolitiker sein: endlich Maßnahmen einzuleiten, die solche Todes- und Misshandlungsfälle sicher vermeiden helfen.

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Dr. Ulrich Enzel, Kinder- und Jugendarzt, 74193 Schwaigern

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