ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2014E-Health regional: Nutzerorientierte Lösungen

POLITIK

E-Health regional: Nutzerorientierte Lösungen

Dtsch Arztebl 2014; 111(12): A-492 / B-420 / C-404

Krüger-Brand, Heike E.

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Nordrhein-Westfalen will bei der flächendeckenden Einführung von Telematik- und Telemedizinanwendungen bundesweit Vorreiter sein.

Dass die Bedeutung der Telemedizin politisch inzwischen auf höchster Ebene anerkannt ist, hat zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung am 29. Januar – fast nebenbei – klargemacht: „Die hohe Qualität unserer medizinischen Versorgung muss auch in Zukunft gerade im ländlichen Raum gesichert werden. Dabei spielt die Entwicklung der Telemedizin im Übrigen eine zentrale Rolle.“ Von einem flächendeckenden Durchbruch telemedizinischer Anwendungen hierzulande kann allerdings nicht die Rede sein, auch wenn in einigen Bundesländern die Botschaft der Kanzlerin schon angekommen ist. Das verdeutlichen regionale Förderprogramme und spezielle Veranstaltungen für die involvierten Akteure wie Ärzte, Krankenhäuser und Industrie, zuletzt in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, demnächst in Baden-Württemberg und Bayern.

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Drei zentrale Themenfelder

Nordrhein-Westfalen (NRW) beispielsweise will Telemedizin und Gesundheitstelematik weiter fördern und bundesweit eine Vorreiterrolle bei der Einführung nutzerorientierter Telematik- und Telemedizinanwendungen einnehmen. Das betonte die neue Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, Martina Hoffmann-Badache, im Ärztehaus in Düsseldorf. Dort hatte sie sich zuvor beim „Markt der Möglichkeiten – Telematik und Telemedizin zum Anfassen“, veranstaltet von der ZTG GmbH, in Live-Demonstrationen an verschiedenen Themeninseln über innovative E-Health-Systeme und -Lösungen für das Gesundheitswesen informiert.

Telematik und Telemedizin könnten einen Beitrag dazu leisten, Schnittstellenprobleme im Gesundheitswesen zu überwinden und Brüche in der Versorgung zu vermeiden, erklärte die Staatssekretärin. „Sie bieten technische Möglichkeiten zur Verbesserung der Kommunikation und der Kooperation in der Gesundheitsversorgung.“ Innovative Projekte, Dienstleistungen und Anwendungen in diesem Bereich fördert die Landesregierung in der Initiative eGesundheit.nrw (http://egesundheit.nrw.de). Derzeit stellt das Ministerium hierfür 25 Millionen Euro, verteilt auf drei Jahre, zur Verfügung, berichtete Hoffmann-Badache.

Aus Sicht des Ministeriums gibt es vor allem in drei Themenfeldern Handlungsbedarf:

  • Versorgungsstrukturen müssten vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung zukunftsfest gemacht werden. Für die Versorgung älterer und multimorbider Menschen wäre dabei vor allem eine elektronisch gestützte einrichtungsübergreifende Arznei­mittel­therapie­sicherheitsprüfung ein großer Gewinn, erläuterte Hoffmann-Badache.
  • Auch müsse die sektorenübergreifende Versorgung optimiert werden, etwa im Zusammenwirken der Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur. „Hier würde ein Entlass- beziehungsweise Überleitungsmanagement einen entscheidenden Mehrwert darstellen. Die mit den Akteuren der Selbstverwaltung über das gemeinsame Landesgremium nach § 90 a Sozialgesetzbuch V vereinbarten Überleitungsbögen sind ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung“, betonte die Staatssekretärin.
  • Zudem müsse den bestehenden und drohenden Defiziten bei der ärztlichen Versorgung im ambulanten und stationären Bereich vor allem im ländlichen Raum entgegengewirkt werden. Anwendungen wie Telemonitoring oder Telekonsile, mit denen die Behandelnden und Pflegenden unterstützt werden, könnten hier einen wesentlichen Beitrag leisten, indem die zur Behandlung notwendigen Informationen orts- und zeitunabhängig verfügbar gemacht würden.

Abgestimmte Strategie

Zentrale Projekte der Landesinitiative sind vor diesem Hintergrund die flächendeckende Einführung des elektronischen Arztbriefes und die Verbesserung der Arznei­mittel­therapie­sicherheit durch einen bundeseinheitlichen Medikationsplan sowie Projekte wie das praxisübergreifende Arzneimittelkonto NRW*. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einführung der einrichtungsübergreifenden elektronischen Patientenakte. Bis Mitte 2014 sei geplant, einen Leitfaden für den datenschutzkonformen Einsatz einrichtungsübergreifender elektronischer Fall- und Patientenakten zu erstellen, kündigte Hoffmann-Badache an. Bis zur Medica im Herbst soll zudem eine mit allen Akteuren abgestimmte E-Health-Strategie für NRW entwickelt werden, um generell die Rahmenbedingungen für den Telematik- und Telemedizineinsatz zu verbessern.

Heike E. Krüger-Brand

*www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag5/Projekte/AMTS

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