ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2014Renale Denervation: Lessons to be learned
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die initialen und geradezu euphorischen Erfolgsberichte zur renalen Denervation haben sich in letzter Zeit mit einer zunehmenden Zahl kritischer Stimmen gemischt. Nach der Bekanntgabe der ersten (negativen) Ergebnisse der SYMPLICITY-HTN-3-Studie mittels Pressemitteilung von Medtronic, hat ein weiterer Hersteller eines ähnlichen Ablationssystems angekündigt, das Produktportfolio zur renalen Denervation vollständig einzustellen, und ein dritter Hersteller hat die Marktzulassungsstudie vorzeitig beendet . . . Welche Lehren müssen hieraus gezogen werden?

  • Zu gut, um wahr zu sein: Die Plausibilität muss bei der Interpretation insbesondere von Ergebnissen nichtrandomisierter unkontrollierter Studien unbedingt kritisch überprüft werden. Zum Beispiel hat das in den 50er Jahren angewandte chirurgische Verfahren zur Hypertoniebehandlung seinerzeit bei weitaus größeren Nebenwirkungen gleichzeitig eine deutlich geringere Ansprechrate gezeigt. Dieser Widerspruch ist nie hinreichend erklärt worden. Gleiches gilt für die im Verlauf zunehmende Ansprechrate bei gleichzeitiger Zunahme der Behandlungseffektivität.
  • Zu einfach, um zu funktionieren: Bei der primären Hypertonie handelt es sich um eine erworbene, multifaktorielle Erkrankung. Eine einfache und effektive Methode zur Behandlung wie die renale Denervation erscheint auch hier wieder „zu gut, um wahr zu sein“. Selbst bei der sekundären Hypertonie bei Vorliegen einer Nierenarterienstenose hat die Ballonangioplastie nicht den gewünschten Erfolg gebracht.
  • Begeisterung kann den Blick trüben: Eine schon fast flächendeckende Ausweitung eines neuen medizinischen Verfahrens außerhalb randomisierter, kontrollierter Studien ist kritisch zu sehen beziehungsweise sollte nicht erfolgen. Als zentraler Punkt ist zu sehen, dass die Ergebnisse zahlreicher randomisierter, kontrollierter Studien – in Anlehnung an das Gesetz der großen Zahlen – nicht zu einer „randomisierten kontrollierten Studie“ zusammengefasst werden dürfen, da hierbei grundlegende methodische Schwächen (wie zum Beispiel mögliche Bias) nicht egalisiert werden.
  • Es sollte kritisch diskutiert werden, ob die CE-Kennzeichnung eines neuen Medizinproduktes – die ja keinen Wirksamkeitsnachweis beinhaltet – ausreichen sollte, um eine generalisierte Anwendung zu ermöglichen.

Literatur beim Verfasser

Priv.-Doz. Dr. med. Claas Philip Nähle, Radiologische
Klinik, Universitätsklinikum Bonn, 53105 Bonn

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema