ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2014Schach: Von beliebten Ärzten und einem herrlichen Matt

SCHLUSSPUNKT

Schach: Von beliebten Ärzten und einem herrlichen Matt

Dtsch Arztebl 2014; 111(13): [72]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Wenn ich gar nicht mehr weiterweiß – und dies wird mit zunehmenden Alter leider nicht seltener –, schaue ich ins „Deutsche Ärzteblatt“. Und was lese ich da, geschrieben vom Chefredakteur Heinz Stüwe höchstpersönlich? „Ärzte weiter ganz vorn“, springt mir als fette Überschrift in die Augen. Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach genießen die Ärzte das höchste Ansehen in der Bevölkerung, mit weitem Abstand vor Krankenschwestern, Polizisten und Lehrern. Wehe denen hingegen, die in der Schule nicht aufgepasst und nichts anderes als Politiker, Fernsehmoderator oder Banker gelernt haben, sie stehen am Ende der Skala, die Geringschätzung des Volkes ist ihnen gewiss. Nun, immerhin können sie sich des öfteren mit einem prallen Geldbeutel trösten. „Auch nicht schlecht“, sagt in solchen Fällen gern ein spöttischer Freund. Übrigens gilt dies alles, wie ich dem Londoner „Evening Standard“ entnehme, ohne irgendein granum salis auch in England. Was mir indes bei den oben genannten, so hoch geschätzten Berufen auffällt – sind es nicht solche, in deren Rollen Kinder bei ihren Spielen gerne schlüpfen?! Sollten also auch frühkindliche Prägungen uns in der Gunst der Menschen ein Leben lang oben schwimmen lassen?

Bevor ich mich in diesen unklaren Gewässern verliere, lieber ein Blick zurück in die Heimstätte des Umfrageinstituts. In besagtem Allensbach am Bodensee wohnt nämlich mit Dr. med. Dieter Hardt, den ich selbstredend vor Urzeiten beim Ärzteschachturnier kennenlernte, auch ein guter Freund. Was liegt da näher, wenn man als Gast einige Tage im Haus unterschlüpfen durfte, als nach dem Frühstück direkt im Bademantel und barfuß den Pfad zum See zu nehmen und ausnahmsweise einmal nicht an die „Königsindische Verteidigung“ und schöne Mattbilder zu denken?!

Anzeige

Doch der Mensch lebt nicht nur vom Schwimmen im See allein, irgendwann muss man zum Schach, diesem Grundpfeiler menschlicher Existenz, zurückkehren. Das tat denn auch Dieter, als er an der Bodensee-Bezirksmeisterschaft der Senioren teilnahm und als Schwarzer am Zug gegen Madame Solange Safarian diese Stellung genüsslich betrachten konnte.

Bedrohlich hatte sich die schwarze Streitmacht am Königsflügel in Stellung gebracht, vor allem der eingedrungene Läufer f3 genoss sein durch nichts gestörtes weißfeldriges Dasein. Sehen Sie, mit welchem Streich Dr. Hardt das Verteidigungsbollwerk der Bauern aufbrach und seine Gegnerin zur Aufgabe bewog?

Lösung:

Nach 1. . . . Dxh4! drohte sowohl auf h2 als auch auf h1 matt. Die Annahme des Damenopfers mit 2. gxh4 hätte jedoch zum schönen Matt durch 2. . . . Lh2 geführt, der weit entfernte andere Läufer am Damenflügel hätte den Tag in einem prächtigen Zusammenspiel der drei Leichtfiguren entschieden. Deshalb gab Madame Safarian gleich auf.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema