ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2014Ergänzungen zu Diagnose und Therapie

MEDIZIN: Diskussion

Ergänzungen zu Diagnose und Therapie

Additional Comments Regarding Diagnosis and Treatment

Dtsch Arztebl Int 2014; 111(14): 253; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0253a

Röhnelt, Romanus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Aus der Perspektive des niedergelassenen Kinderarztes möchte ich fünf kurze Punkte zu dem Artikel (1) ergänzen:

Die Höhe des Fiebers ist beim Kleinkind nie ein Maß für die Schwere der Erkrankung. Die Empfehlung zur Gabe eines Antipyretikums ab einer bestimmten Temperatur – wie im Artikel > 40° C – ist irreführend und unterstützt die Fieber-Phobie bei Ärzten und Eltern.

In der Praxis kann ein Antipyretikum bei Unsicherheit wie ein „Test“ eingesetzt werden: Binnen einer Dreiviertelstunde nach Gabe eines gewichtsentsprechenden Fiebermedikaments ist ein zuvor sehr krank erscheinendes Kind gesundet. Ein Kind mit einer Pneumonie ist zwar auch fieberfrei, klinisch aber immer noch krank.

Zu Unrecht nicht erwähnt wurde Metamizol als Antipyretikum, das ab dem dritten Lebensmonat eine breite Anwendungsmöglichkeit bietet und unbedenklich bei Kindern ist (2). Nach eigener Erfahrung ist es bei Schmerzen und Fieber deutlich potenter als Paracetamol oder Ibuprofen (3).

Ein fieberndes Kind zeigt immer eine auffällige, das heißt beschleunigte Atmung. Eltern sind vielmehr dahingehend aufzuklären, das etwa eine Dreiviertelstunde nach der Gabe eines fiebersenkenden Medikamentes sich die Atmung normalisiert haben sollte.

Ursache des Fiebers beim Kind ist meist eine Entzündung der oberen Luftwege. Da Paracetamol in keiner Weise antiphlogistisch wirkt, ist für den niedergelassenen Pädiater ein Ibuprofen-haltiges Präparat in jedem Fall zu bevorzugen, insbesondere aufgrund des besseren Ansprechens weiterer entzündungsabhängiger Krankheitssymptome wie Übelkeit, Mittelbauchschmerz, Augenbrennen, Spucken, Kopf- und Gliederschmerzen.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0253a

Dr. med. Romanus Röhnelt

Praxis für Kinder- und Jugendmedizin

Gesundheitszentrum

Warendorf

praxis.roehnelt@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Niehues T: The febrile child: diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 764–74 VOLLTEXT
2.
Heinrich M, et al.: Therapie akuter Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Monatsschr Kinderheilk 2010; 158: 789–806 CrossRef
3.
Wong A, et al.: Antipyretic effects of dipyrone versus ibuprofen versus acetaminophen in children: results of a multinational, randomized, modified double-blind study. Clin Pediatr (Phila) 2001; 40: 313–24 CrossRef MEDLINE
1.Niehues T: The febrile child: diagnosis and treatment. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 764–74 VOLLTEXT
2.Heinrich M, et al.: Therapie akuter Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Monatsschr Kinderheilk 2010; 158: 789–806 CrossRef
3.Wong A, et al.: Antipyretic effects of dipyrone versus ibuprofen versus acetaminophen in children: results of a multinational, randomized, modified double-blind study. Clin Pediatr (Phila) 2001; 40: 313–24 CrossRef MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige