ArchivDeutsches Ärzteblatt9/1999Freie Arztwahl: Patienten hoppen nicht

SEITE EINS

Freie Arztwahl: Patienten hoppen nicht

Jachertz, Norbert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Bürger haben ein überwältigendes Bekenntnis zur freien Arztwahl abgegeben. 95 Prozent der Bevölkerung halten die freie Wahl des Hausarztes für besonders wichtig oder wichtig, 89 Prozent die freie Wahl des Facharztes nach Überweisung und 67 Prozent die freie Facharztwahl auch ohne Überweisung. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des WIAD im Auftrag der Ärztekammer Nordrhein hervor. Der Präsident der Kammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, hat sie soeben in Bonn präsentiert, passend zu der heißlaufenden Debatte über die Strukturreform im Gesundheitswesen. Die Studie gibt auch Antwort auf die Frage, wen Patienten zuerst ansteuern oder ansteuern wollen. 66 Prozent der Bürger plädieren dafür, zunächst zum Allgemeinarzt zu gehen. Die Bereitschaft hängt allerdings wesentlich von der sozialen Schichtung ab; die Streubreite liegt zwischen 53 und 83 Prozent. Selbst diejenigen, die einen Hausarzt haben, gehen zu 73 Prozent auch ohne Überweisung zum Facharzt. Lediglich 13 Prozent steuern den Facharzt nur mit Überweisung an.
Die Bürger unseres Landes schätzen somit die unserem Gesundheitssystem eigenen Patientenrechte, die im ungehinderten Zugang ihren Ausdruck finden, hoch ein. Die Freiheit wird nicht mißbraucht. Doktorhopping oder Chipkarten-Tourismus gibt es nämlich nicht, allenfalls in Einzelfällen, die dann propagandistisch hochgespielt werden.
Laut der Nordrhein-Umfrage wechselten lediglich 6 Prozent während einer Behandlung den Hausarzt, nur 3 Prozent den Facharzt. Derartige Ergebnisse stimmen mit einer Untersuchung von "I + G Gesundheitsforschung" überein. Dort wird nachgewiesen, daß die Bürger zwar einen sehr hohen Informationsstand über die Möglichkeiten der Chipkarte haben, zugleich aber ihre Chipkarte verantwortungsvoll einsetzen. Prof. Hoppe hat bei der Präsentation der Nordrhein-Studie dafür plädiert, bei der anstehenden Gesundheitsreform die Wünsche der Bevölkerung ernst zu nehmen und den Entscheidungsspielraum der Patienten nicht durch bürokratische Reglementierungen einzuschränken. Es wäre in der Tat wünschenswert, wenn sich die Politiker nicht über die unzweideutig geäußerten Wünsche der Bürger hinwegsetzen würden. Norbert Jachertz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote